Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation

Christi Himmelfahrt: Nach oben in die Freiheit

„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ | Johannes 12, 32. Eine Andacht von Prädikant Klaus Dripke

Unsere Sprache hat sich aus unserer räumlich orientierten körperlichen Erfahrung entwickelt, aus oben und unten, hinten und vorne, links und rechts, innen und außen. Und wenn wir etwas ausdrücken wollen, was die einfache körperliche Erfahrung übersteigt, verwenden wir dazu immer noch die Worte aus dem ursprünglichen Sprachschatz, jetzt aber in einer „übertragenen“ Bedeutung (auch hier: „übertragen“ = von einem „Ort“ zum anderen „getragen“).

So ist „oben“ und „unten“ nicht nur eine körperorientierte Kategorie im Gravitationsfeld der Erde, sondern trägt auch Wertvorstellungen in sich. Nicht umsonst ist der Himmel oben und die Hölle unten angesiedelt. Unten befinden wir uns in den „Niederungen“ des Lebens, geraten in Verstrickungen, waten durch Sümpfe, stehen vor Abgründen, in die wir fallen können. Eine unerbittliche Kraft zieht uns nach unten und nimmt uns umso mehr gefangen, je weniger an eigener Kraft wir ihr entgegensetzen können.

Der Weg nach oben wird deshalb  auch im übertragenen Sinn häufig als ein Weg in die Freiheit verstanden, dorthin zielen alle, die sich auf der Karriereleiter nach oben kämpfen und am liebsten an die Spitze möchten. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein ...“ singt Reinhard Mey, und weiter: „Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Die Führungskräfte ganz oben würden wohl ein anderes Lied singen.

Dennoch: Das Empfinden von Glück orientiert sich nach oben, wir fühlen uns frei und unbeschwert, schweben manchmal wie auf Wolken. Es ist deshalb mehr als naheliegend, die freie Existenz Gottes und die Seligkeit in seiner Herrlichkeit als „ganz oben“ zu verorten. Das ist der „Ort“, vom dem Jesus auf die Erde gekommen ist, um noch tiefer hinabzusteigen bis in den tiefst denkbaren Abgrund, von dem aus es normalerweise keine Wiederkehr gibt. Diese tödliche Aussichtslosigkeit hat er zu Ostern durchbrochen und damit allen einen Weg gebahnt, die ihm folgen wollen. Nach einer kurzen Zeit der Tröstung und Stärkung der um ihn Weinenden hat er dann auch noch die letzte Strecke zum Herzen Gottes zurückgelegt und mit seiner Heimkehr endgültig den gleichen Weg für uns freigemacht. Von jetzt an gilt sein klares, für manche provokantes Wort in unbedingter Radikalität:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Johannes 14,6

 

www.ekagger.de | jth | Bild: Gerd Altmann, Pixabay

Jesus hat die letzte Strecke zum Herzen Gottes zurückgelegt und den gleichen Weg für uns freigemacht.