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BUCHTIPP Unvergessene oberbergische Glaubensboten

Matthias Hilbert hat faszinierende Personenporträts von oberbergischen und Wuppertaler Glaubensboten geschrieben 

Autor Matthias Hilbert hat seine frühe Kindheit in Ründeroth verbracht und kennt sich gut aus im Oberbergischen. In seinem neuen Buch "Unvergessene Wuppertaler und oberbergische Glaubensboten" stellt er zwölf Personen vor, die für die Kirchengeschichte in Wuppertal und dem Oberbergischen Land - und teilweise weit darüber hinaus - wichtig sind. Sein Buch mit mehr als 330 Seiten ist flüssig zu lesen, voller interessanter Fakten, Anedokten und theologischer Erkenntnisse. 

Leserinnen und Leser lernen drei oberbergische Landpfarrer genauer kennen: Alfred Christlieb, Jakob Gerhard Engels (1826-1897) und Otto Funcke. 

Im Kirchenkreis An der Agger besonders bekannt ist Alfred Christlieb (1866-1943), der frühere Pastor von Heidberg. Wer ab Heidberg zur Wiehlquelle wandert oder den Gottesdienst in Heidberg besucht, kommt durch die Alfred-Christlieb-Straße. Seine Methode zur Predigtvorbereitung: "Ich muss einen lebendigen Menschen in der Bibel vor mir sehen. Ich sinne mich in ihn hinein. Dann kann ich reden." Autor Matthias Hilbert widmet dem "Bischof von Heidberg" 24 Seiten. 

Jakob Gerhard Engels (1826-1897) war die prägende Gestalt der Kirchengemeinde Nümbrecht und Leitfigur der oberbergischen Erweckung. Er hatte Alfred Christlieb in dessen Ausbildung begleitet. Matthias Hilbert nennt ihn "Seelsorger und Volkserzieher". Er habe oft nach der Predigt vom Abendmahlstisch noch eine Ansprache gehalten. Das hörte sich dann so an: "Manche unserer Maurer haben die Heimat schon verlassen, manche gedenken, in der nächsten Zeit aufzubrechen. Der Herr segne euch! Darf ich euch aus treuem Herzen noch einige Bitten aussprechen? 1. Trinket keinen Branntwein, weder auf der Baustelle noch in eurem Logis noch in Wirtshäusern! 2. Lasset das Wort Gottes ein Licht auf eurem Wege sein, leset täglich ein wenig darin! 3. Feiert den Sonntag! 4. Denket immer daran: Der Herr sieht mich! Und nun ziehet in Frieden!"

Der Pfarrer und Volksschriftsteller Otto Funcke (1836-1910) ist mit der Geschichte der Kirchengemeinde Holpe verbunden. Funcke wurde von Jakob Engels theologisch mitgeprägt. Der Sohn eines Arztes entschied sich gegen ein Medizinstudium, weil er als 20-Jähriger seinem Vater bei einer Amputation helfen musste und ohnmächtig wurde. Matthias Hilbert beschreibt, wie sorgfältig Funcke seine Predigten für die überwiegend aus Bauern bestehende Gemeinde vorbereitet habe. Funcke selbst sagte: so sorgfältig, als ob er "vor eitel Fürsten und Konsistorialräten zu predigen hätte".  Später wurde Otto Funcke ein vielgelesener Schriftsteller. 

Alle drei Pfarrer haben im 19.  und Anfang des 20. Jahrhunderts Pietismus und Erweckungsbewegung im Oberbergischen und weit über dessen Grenzen hinaus geprägt.

In Hilberts Buch geht es noch um drei freikirchliche Gemeindegründer:  Carl Brockhaus (1822-1899) als Mitbegründung der Brüderbewegung im 19. Jahrhundert. Er ist durch die Herausgabe der Elberfelder Studienbibel in Wuppertal bekannt. Hermann Heinrich Grafe, freie evangelische Gemeinde (1818-1869) und Julius Köbner, Baptisten (1806-1884). 

Außerdem werden vorgestellt die Wuppertaler Erweckungsprediger Gottfried Daniel Krummacher und Friedrich Wilhelm Krummacher, der Evangelist Ewald Rau (Vater von Johannes Rau), Johanna Faust (“Tante Hanna”) sowie die beiden führenden Vertreter der Bekennenden Kirche, die Barmer Pfarrer Karl Immer und Paul Humburg.

 

Matthias Hilbert: Unvergessene Wuppertaler und oberbergische Glaubensboten. Zwölf Personenporträts, Dillenburg 2022. Christliche Verlagsgesellschaft CV Dillenburg. ISBN-13: 978-3-86353-817-0, 19,90 Euro. 


Matthias Hilbert, Jahrgang 1950, wohnt in Gladbeck und war Lehrer. Er ist selbst Pastorensohn und hat seine frühe Kindheit in Ründeroth im Oberbergischer Kreis verlebt. Sein schriftstellerisches Interesse gilt vor allem Glaubens- und Lebensgeschichten bekannter Christen und Dichterpersönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts und darüber hinaus.

 

www.ekagger.de | jth | Text: Judith Thies | Foto: Stefanie Hilbert

Matthias Hilbert ist selbst Sohn eines Pastors und hat seine Kindheit im evangelisch geprägten Ründeroth (Engelskirchen) verbracht