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GEISTLICHE NOTIZEN Aus Angst oder aus Liebe?

Tu, was Du tust, aus Liebe, nicht aus Angst. Was ist heute meine Motor?, fragt Pfarrerin Alexandra Pook in ihrer Andacht. 

Heute ist so ein wuseliger, zerrissener Tag. Tausend Kleinigkeiten und ein paar größere Sachen, dauernd werde ich unterbrochen. Ich habe das Gefühl, nichts mit ganzem Kopf und ganzem Herzen zu tun. Ist das eigentlich gut genug, was ich da mache?  Und ob ich das wohl alles rechtzeitig fertig kriege? Und wofür ist das Ganze gerade nochmal gut?

Puh! Stop! Durchatmen.

Ich mache mir Musik an. Dieses Lied hier schickte mir neulich eine Freundin, ein echtes Mutmach-Stück von Bodo Wartke. (YouTube)

„Tu was du tust aus Liebe, tu es nicht aus Angst.“

Was von den beiden ist heute mein „Motor“?

Ist es die Angst, dann macht mich das eng. Daher nämlich kommt das Wort Angst: von Enge. - Liegt es an der Angst, wenn mein Blick sich verengt? Wenn ich den Überblick verliere und das Ganze nicht sehen kann?

Liebe dagegen macht weit: den Blick und das Herz. Sie macht leicht, frei, sie beflügelt, inspiriert, fasziniert…

Wenn eine Künstlerin Kunst macht, dann muss sie das aus Liebe tun. Wenn sie dabei die ganze Zeit Angst hat zu versagen, dann geht es nicht… Dann werden ihre Kreativität und Ausdruckskraft von der Enge erstickt.

Wenn ein Sänger Angst hat vor den hohen Tönen, dann hört man das, selbst wenn man von Musik nichts versteht. Angst blockiert.

Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückschaue, kann ich sagen: Immer, wenn ich etwas im Grunde aus Angst gemacht habe (oder nicht gemacht habe), dann habe ich das im Nachhinein bereut. Da ist Potential und Leben steckengeblieben, im Keim erstickt. Und da, wo ich aus Liebe Wege gegangen bin, aus Begeisterung, aus Faszination… da ist immer etwas richtig Gutes daraus geworden.

 Unser Leben kann nicht immer voller Freude sein, aber immer voller Liebe“, schreibt Thomas von Aquin. Liebe ist nämlich mehr als ein Gefühl: Sie ist ein Zustand, eine Haltung.

Einen Zustand kann man „aufsuchen“, eine Haltung einüben.

Im Zustand der Liebe kann ich übers Wasser laufen, in gewisser Weise. So wie Petrus. (Matthäus 14, 22-33) Im Zustand der Angst sehe ich nur den Sturm und die hohen Wellen - und gehe sofort unter. Garantiert.

Wenn es mir dann aber gelingt (oder wenn ich es zulasse), wieder auf „Liebe“ umzuschalten, wird mein Blick wieder weit. Dann sehe ich am Himmel das Licht zwischen den Wolken. Und manchmal sogar, zumindest ansatzweise, das große Ganze.

 

Alexandra Pook ist Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Hülsenbusch-Kotthausen. Der mutmachende Text ist eine geänderte Fassung ihrer Andacht bei der letzten AG Pfarrstellenkonzeption 2030. 

 

www.ekagger.de | jth | Fotos: Pook; Pixabay

Alexandra Pook hat im Sommer Luft an der Nordsee getankt

Im Bild von Andreas Achenbach sieht man beides: die tobenden, angstmachenden Wellen und das Licht