WIEHL Journalist Arnd Henze über Bonhoeffers Widerstandsgeist in unruhigen Zeiten: "Dem Rad in die Speichen fallen"
Der Wiehler Kirche war voll - trotz drückender Hitze. Arnd Henze, Journalist und Publizist, Theologe und Mitglied der EKD-Synode, sprach frei über sein Buch "Mit Gott gegen die Demokratie. Warum christlicher Nationalismus alle angeht". Sein Appell: Widerstand gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit ist möglich und nötig.
„Neighbourhood – Nachbarschaft“ ist zurzeit ein zentraler Widerstandbegriff in den USA bei allen, die sich der Untergrabung der Demokratie und der Politik von Ausgrenzung und Diffamierung widersetzen möchten. Ein Neighbour ist gleichzeitig der Nachbar und der Nächste. “Love your Neighbour” wird zur Gegenbewegung: Kümmere Dich um Deine Nachbarn. Mit dieser Botschaft erreiche man aktuell immer mehr Menschen in den USA, sagte Arnd Henze.
Widerstand ist möglich, war die zentrale Botschaft des Referenten. Der Journalist machte in der Wiehler Kirche deutlich, wie sich christliche Nationalisten in den USA im Bündnis mit der Macht des US-Präsidenten zu einer Bedrohung für die Demokratie und den Rechtsstaat entwickelt haben. Sie stilisieren Donald Trump als „von Gott gesandten Rächer“, sein Verteidigungsminister inszeniere sich als „Christian warrior“, als christlichen Krieger. Einer rechtsextremen und menschenfeindlichen Regierung, die den Rechtsstaat verachtet und ihre Politik als göttlichen Willen verkündet, würden zum Glück viele US-Amerikaner Zivilcourage entgegensetzen.
Dem Rad in die Speichen fallen: Bonhoeffers Aufruf zum Handeln
Dem Rad in die Speichen fallen, wie Dietrich Bonhoeffer es nannte, bedeutet, Opfer von Willkürherrschaft nicht nur zur trösten, sondern sie auch zu verteidigen und zu schützen. Man müsse schlechte Umstände benennen und stoppen. Das tun zurzeit immer mehr US-Amerikaner, sagte Arnd Henze, indem sie sich der Dämonisierung von Migranten als „illegal aliens“ widersetzen und ihren direkten Nachbarinnen und Nachbarn über ihre persönlichen Netzwerke helfen.
Hans-Georg Pflümer, Schulpfarrer am Wiehler Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, hatte den Journalisten und Amerika-Kenner Arnd Henze eingeladen, um mit Schülerinnen und Schülern der 12. Jahrgangsstufe des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zu arbeiten und abends einen Vortrag zu halten. Der Förderverein der Kirchengemeinde Wiehl machte mit, so dass die Kirche ein Raum für Gespräch werden konnte.
Die Schülerinnen Nadia Shirin Meyer, Marie Valder, Celine Meißner, Julia Klein und Isabella Pohl übernahmen am Abend die thematische Einleitung. Sie stellten den Referenten Arnd Henze als Journalisten und ehemaligen Korrespondenten im ARD-Hauptstadtstudio und Mitglied der EKD-Synode vor und zogen eine gedankliche Verbindung zum Theologen Dietrich Bonhoeffer, Namensgeber ihres Gymnasiums.
Arnd Henzes Botschaft gilt auch hierzulande
Arnd Henze brachte sein ledergebundenes Exemplar der Trump-Bibeln aus den USA mit, mit deren Verkauf Donald Trump vor seiner zweiten Amtszeit begonnen hat. Das Wort Trump ist auf dem Einband größer als das Wort Gott. Statt eines Kreuzes zeigt es das Siegel des US-Präsidenten. „Ein Bespiel für die Überhöhung des Präsidentenamts." Arnd Henzes Botschaft gilt auch in Deutschland. „Wir können ganz viel von den USA lernen.“ Menschenfeindliche Strömungen müssen aufgehalten werden, Nachbarschaften müssen gepflegt werden. Diakonisches und kirchliches Leben seien bedroht, wenn eine rechtsextreme und menschenfeindliche Partei an die Macht komme. Auf Nachfrage aus dem Publikum, warum er die Partei nicht beim Namen nenne, sagte Henze, er wolle ihr nicht die Ehre geben, den ganzen Abend über sie zu sprechen. „Aber natürlich weiß jeder, wenn ich meine.“
Arnd Henze differenzierte: Nicht alle Menschen, die die Partei wählen, seien rechtsextrem und menschenfeindlich. „Mit ihnen müssen wir im Gespräch bleiben, um ihre Ängste zu verstehen und uns um sie kümmern zu können. Presbyterien und Kirchengemeinden riet er, mehr auf das soziale Leben vor Ort zu achten und die Ärgernisse, Kümmernisse und auch vermeintlich kleine Missstände wie geschlossene Läden zu thematisieren. Die Kirche müsse mahnen und dafür sorgen, dass die Schwächsten nicht durchs Rost fallen.
Hoffnungsvoller Ausblick
Arnd Henzes Fazit: Wer die Mechanismen durchschaut, kann sich wehren. Und: „Glauben heißt, immer ein bisschen mehr zu hoffen, als die Umstände es zulassen. Wenn man uns das anmerkt, sind wir das Salz der Erde."
Veranstalter des Abends waren der Förderverein der Evangelischen Kirchengemeinde Wiehl, die Demokratiekirche Oberberg und der Evangelische Kirchenkreis An der Agger in Kooperation mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wiehl. Die Buchhandlung Hansen und Kröger begleitete die Lesung mit einem Stand; Arnd Henze signierte trotz verletzter Hand zahlreiche Exemplare.
Arnd Henze: „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“
Gütersloher Verlagshaus 2026, 20 Euro, ISBN: 978-3-579-06202-0
Mit QR-Codes zu audiovisuellen Quellen.
www.ekagger.de | Text: Judith Thies | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/J.Thies, Hans-Georg Pflümer














