Dr. Judith Fresen und Evelyn Doelfs wurden ordiniert
„Wozu braucht es Kirche heute noch?“ – mit einer ebenso relevanten wie provokanten Frage startete Pfarrerin Judith Fresen in ihre erste Predigt nach der Ordination durch Superintendent Michael Braun in der Bergneustädter Altstadtkirche. Und sie gab sogleich Antworten voller Hoffnung, Liebe und Überzeugung. „Wir brauchen Religion, um eine selbstwirksame Gesellschaft zu werden“, ist die promovierte Diplom-Psychologin und Theologin überzeugt.
Religion öffne eine Beziehung der Freiheit in Gott, einer Freiheit hin zum „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“, wo Menschen vertrauensvoll in Beziehung gehen können. Kirche schenke Orte des Rückzugs, schaffe Räume, um während des Gottesdienstes zweckfrei sein zu dürfen, Liturgien als vertrautes Ritual zu genießen. „Gerade auch Menschen mit einem Riss im Herzen, dürfen die heilende Kraft Gottes spüren, sich berühren lassen.“ Wer mit Christus in Resonanz gehe, fühle sich befreit, erklärte die Theologin voller Überzeugung, könne sich anderen in Liebe, Sanftmut, Geduld und Frieden zuwenden.
Von einer besonderen Freiheit zu gestalten, hatte auch Superintendent Michael Braun im Zuge der Ordination gesprochen: „Als Pfarrerin der Impulskirchengemeinde Bergneustadt-Lieberhausen erwarten Sie viele Aufgaben, aber auch unzählige Möglichkeiten und die Freude, sich ausprobieren zu dürfen. Und da sind die Menschen, die Sie als starkes Team unterstützen werden.“ Gottes guter Geist, Mut und Glaubenszuversicht würden durch Phasen voller Umbrüche helfen: „Tun Sie, was sie können. Nehmen Sie sich Zeit für den eigenen Glauben und die eigenen Empfindungen und vertrauen Sie auf Gott“, riet er der Pfarrerin, bevor er sie ordinierte und sie von einer Runde aus Weggefährtinnen und Weggefährten vielfältigen Segen erfuhr.
Auch der Bergneustädter Pfarrer Dietrich Schüttler hatte in seiner Begrüßung zu Beginn des Gottesdienstes von Begeisterung gesprochen: „Freu dich, Judith! Lass dich berühren von Gottes Geist, lass dich inspirieren. Und wir freuen uns mit dir und auf dich und deinen Dienst hier in Bergneustadt.“
Und auch für die vielen Gottesdienstbesuchenden gab es eine besondere Freude: die Kantorei der Gemeinde unter der Leitung von Kreiskantorin Dr. Annemarie Sirrenberg hüllte die Gäste mit „Jauchzet dem Hern“ von Heinrich Schütz durch einen eindrucksvollen Wechselgesang in jubilierende Klänge ein, die nicht wenigen ein begeistertes „Wow!“ entlockten.
Mit einem Fest im Gemeindehaus, vielen Gratulationen, entspannten Gesprächen und einer sehr glücklich lächelnden Pfarrerin klang der Nachmittag schließlich aus.
Ordination Evelyn Doelfs (am 19.07.2026 in der Derschlager Emmauskirche)
Ein bisschen aufgeregt wirkte Evelyn Doelfs durchaus, als sie vor dem Gottesdienst zu ihrer Ordination zur Prädikantin vor der Derschlager Emmauskirche die vielen Gäste begrüßte. Umarmungen, lächelnde Gesichter und unzählige freundliche Worte zeigten aber gleich, wie gut die Gemeindereferentin seit 2023 in der Emmaus-Kirchengemeinde Wiedenest-Derschlag angekommen ist.
Im Rahmen des Gottesdienstes nahm dann Superintendent Michael Braun die Ordination der Diakonin vor. Er bediente sich des Bildes der „guten Tür“, aus dem Johannes-Evangelium. Dort sagt Jesus in einem seiner „Ich bin-Worte“, er sei die Tür, die zu Gott führe. Auch Evelyn Doelfs gab Pfarrer Michael Braun seinen Wunsch mit auf den Weg, sie möge zur Tür werden. „Jesus schafft Durchlässe, wo andere nur Mauern sehen. Mauern aber sind bei der Frage nach Sinn und Liebe im Leben nur Hindernisse, schaffen Ausgrenzung. Seien Sie auch eine Tür, die den Weg zum wahren Leben öffnet, die auf das ,Mehr‘ Gottes hinweist.“ Gute Türen, so der Superintendent, machen neugierig auf das, was dahinter liegt. Sie haben Substanz, sind neugierig auf die Menschen, die sie durchschreiten möchten. „Eine Tür sein zu dürfen, ist unser Amt“, betonte Michael Braun.
Doch, um nicht in den Angeln zu knirschen, bräuchten Türen auch Pflege. „Achten Sie auch auf sich. Freude, Spaß und Leidenschaft und das wunderbare Gefühl, mit Gott auf dem Weg zu sein, sollen Sie in ihrem Tun begleiten“, wünschte ihr Michael Braun vor seinem Segen und der eigentlichen Ordination. Diese befähigt Evelyn Doels nun zur Verkündigung von Gottes Wort, zur Seelsorge und zur Verwaltung der Sakramente. Ein paar Freudentränen flossen, als die Prädikantin von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern ebenfalls gesegnet wurde.
In ihrer Predigt ging die Gemeindereferentin auf die Geschichte der Befreiung des Petrus ein (Apostelgeschichte 12, 11-17), der an die Tür von Maria klopft, der Mutter des Johannes. Diese Tür bleibt zunächst geschlossen, denn die Magd Rhode öffnet ihm nicht. Ein Sinnbild absoluter Menschlichkeit, fand die Prädikantin: Rhode handelt erst einmal verschreckt, geradezu unlogisch. Die Tür öffnet sich dann doch – hier zeichnete Evelyn Doelfs das Bild einer Hoffnungsgemeinschaft, die sich bei Maria traf, einer Familie Gottes, die füreinander da ist. „Ich muss mich öffnen, um andere einlassen zu können.“ Mit dieser Geschichte habe sich ihr auch die Frage nach der Zugehörigkeit gestellt. „Wo könnte ich in Bedrängnis mitten in der Nacht anklopfen? Es ist wunderbar, wenn ich Menschen finde, denen ich mich in meiner Not zumuten kann.“ Mit einem Plädoyer für Toleranz und zum Zulassen von anderen Wegen, um so voneinander zu lernen, schloss die Prädikantin ihre Predigt.
Mit Abschluss des Gottesdienstes sang der Chor der evangelischen Gemeinde, TonArtC, das Wunschlied der frisch Ordinierten „Mutig, stark, beherzt“, das Mottolied des Kirchentages 2025. In den sich an den Abschlusssegen anschließenden Grußworten wurde viel Wertschätzung der kreativen Arbeit und Ideen, die Evelyn Doels in die Emmaus Kirchengemeinde einbringt, deutlich. Und dann wurde rund um die Kirche gefeiert. Noch einmal gab es Umarmungen und lächelnde Gesichter – jetzt mit einer sehr glücklichen Prädikantin im Mittelpunkt.
Text/Foto: Katja und Matthias Pohl









