ORDINATION Diakonin Amelie Ortmann ist jetzt Prädikantin
In einem feierlichen Gottesdienst wurde Amelie Ortmann von Superintendent Michael Braun zur Prädikantin der rheinischen Kirche ordiniert. Sie darf nun predigen, taufen, trauen und Trauerfeiern übernehmen - im "Dienst der öffentlichen Verkündigung und Sakramentsverwaltung".
Die Fenster der Christuskirche in Engelskirchen schenken den Gottesdienstbesuchenden goldenes Licht, freundlich-erwartungsvolles Gemurmel aus den Sitzreihen vermischt sich mit dem Glockengeläut. Der Gottesdienst an diesem Sonntag ist durch die Ordination von Jugendreferentin Amelie Ortmann zur Prädikantin besonders und feierlich, fröhlich und musikalisch. Superintendent Michael Braun ordinierte die 44-Jährige, die nun Trauungen, Taufen und Beerdigungen durchführen darf. Der Gospelchor der evangelischen Kirchengemeinde in Engelskirchen, sine nomine, übernahm den musikalischen Rahmen und Pfarrer Johannes Vogelbusch die Begrüßung. Während ihrer Ausbildung zur Prädikantin war der Pfarrer Amelie Ortmanns Mentor.
Superintendent Michael Braun erklärte im Zuge der Ordination: „Man läuft während einer solchen Ausbildung Gefahr, Dinge zu lernen, die überraschen, man verändert sich, erhält neue Blicke, geht neue Wege.“ Für Amelie Ortmann ist genau das der Reiz an ihrem Weg mit Gott und den Menschen, die ihr auf diesem Weg begegnen: „Diese verschiedenen Impulse und Blickwinkel sind ungemein bereichernd, und ich freue mich darüber, mein Leben lang lernen zu dürfen, nicht stehen zu bleiben.“
Das passte gut zu den Worten des Superintendenten: „Wer sich auf den Weg im Glauben macht, entdeckt, was es heißt, von Gott getragen zu werden. Wachsen Sie und haben Sie Freude daran.“ Jeder, der sich in der Kirche engagiere, bringe seine ganz eigene Facette mit, durch die das Ganze seine Vielfalt gewinne, betonte Michael Braun, bevor er die Prädikantin segnete. Segenswünsche von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern folgten, und schließlich sprach Amelie Ortmann in ihrer Predigt darüber, Stärken wertzuschätzen, Schwächen anzunehmen und davon, wie viel ihr das Lied „I came to the Cross“, das der Chor zuvor gesungen hatte, bedeutet.
„Wir möchten immer perfekt sein, doch auch unsere Risse und Brüche gehören zu uns. Wir sind zerbrechlich, können aber auf die Kraft Gottes vertrauen. Gott legt seine Gnade in das Verletzliche“, hob sie hervor. Wichtig sei es, immer wieder aufzustehen, selbst wenn wir uns gerade dem Abgrund näher als dem Licht fühlen und darauf zu vertrauen, dass Jesu Auferstehung uns trägt. „Wir müssen nicht stark, aber offen sein, wir dürfen uns engagieren. Glaube, der nur sich selbst schützt, verliert seine Kraft.“ Sie verabschiedete die Gemeinde mit dem Segen, der davon sprach, wie jeder auf seine ganz persönliche Art zum Geschenk für andere werden kann, der heraushob, dass Segen sich wie zarter Glitter auf die Gesegneten legt. Am Ausgang gab es für jeden Gottesdienstbesucher noch ein kleines Fläschchen Goldglitzer mit einem Segenspruch - selbstgebastelt.
Sie freut sich schon auf “Einfach heiraten” am 26.6.
Amelie Ortmann ist verheiratet, hat drei Kinder. Sie arbeitet in der Emmaus-Kirchengemeinde Wiedenest-Derschlag mit einer halben Stelle als Jugendreferentin und unterrichtet evangelische Religion an der Gemeinschaftsgrundschule in Engelskirchen. Ausgebildet wurde sie zunächst zur Rechtsanwaltsfachangestellten, war in einem Gummersbacher Unternehmen tätig, bevor sie sich Anfang 2020 entschloss, sich zu verändern und ihr “Leben neu zu denken”.
Der Glaube begleitet sie ihr Leben lang. Sie wuchs in Engelskirchen auf und ist immer noch mit der Gemeinde rund um die Christuskirche eng verbunden. Sie erinnert sich an eine Glaubenskrise vor rund 15 Jahren: „Ich hatte eine schwere Zeit, ging aber nach vielen Gesprächen mit Gott gestärkt daraus hervor. Gott ist mir Begleiter, ermöglicht mir, ständig Neues zu lernen.“ Ihre Präsenz auf Social Media mit Andachten, Einsichten und Impulsen ist ihr wichtig. „Irgendwann habe ich dort auch von meinen eigenen Brüchen, von meinen schlechteren Tagen berichtet und gespiegelt bekommen, dass ich vielen Menschen mit dieser Ehrlichkeit aus der Seele spreche.“
Bei der Aktion „Einfach heiraten“ in Bergneustadt-Wiedenest am Freitag, 26. Juni 2026, wird die Prädikantin Trauungen und Segnungen durchführen. Das wird ein Tag, auf den sie sich schon sehr freut. „Ich bin ein bisschen aufgeregt, aber das wird sicher auch eine sehr spannende Erfahrung.“
www.ekagger.de | jth | Text: Katja Pohl | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/Matthias Pohl


















