LANDESSYNODE Synodale bringen neue Finanzstrategie auf den Weg

| Diakonie

Auf der Tagung der 80. Landessynode sind jetzt Maßnahmen mit einer Nettoeinsparsumme von 30,7 Millionen Euro verabschiedet worden. Das sind rund 20 Prozent des Kirchensteueraufkommens für den Haushalt. Darüber hinaus besteht Potenzial für weitere Einsparungen und Mehreinnahmen durch Prüfaufträge und die Einführung freiwilliger Elternbeiträge in den Schulen. Präses Thorsten Latzel betont, dass es sich bei den Maßnahmen um eine strategische Neuausrichtung handelt, nicht nur um bloßes Kürzen von Mitteln. 

Die Finanzstrategie umfasst neben der Kompensation des prognostizierten Haushaltsdefizits von 26 Millionen Euro im Jahr 2030 auch einen Risikopuffer sowie ein Budget für künftige, noch nicht festgelegte Innovationen. Der Beschluss war in einem breit angelegten Prozess erarbeitet und in den synodalen Ausschüssen vor und während der Synode intensiv beraten worden. Gegenüber dem ursprünglich von der Kirchenleitung eingebrachten Vorschlag gab es inhaltliche und/oder finanzielle Anpassungen bei den Studierendengemeinden, dem Arbeitslosen- und dem Härtefonds, dem Landespfarramt für Weltanschauungsfragen, der Stabsstelle Vielfalt und Gender sowie der Flüchtlingsarbeit. Durch diese Anpassungen reduziert sich die ursprünglich vorgesehene Einsparsumme von 31,8 Millionen Euro um insgesamt 1,1 Millionen Euro.

Verzichtet hat die Landessynode auf eine zwanzigprozentige Kürzung in der Flüchtlingsarbeit. Von den geplanten Einsparungen in der Flüchtlingsarbeit in Höhe von 200.000 Euro wäre die Flüchtlingsberatungsstelle des Kirchenkreises An der Agger direkt betroffen gewesen. Die oberbergischen Synodalen stimmten geschlossen gegen die Einsparungen. Die Mitarbeitenden der Beratungsstelle und die Leitung der Diakonie begrüßten den Beschluss. Die Voten der Kreissynode 2025 und die Landessynode haben mit ihren Voten ein Zeichen gesetzt für die wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Beratungsstelle.

Unabhängiger von der Kirchensteuer
Notwendig wurde der Finanzprozess wegen sinkender Einnahmen und steigender Kosten. So hat die rheinische Kirche im vergangenen Jahr rund 68.500 Mitglieder verloren, etwa je zur Hälfte durch Demografie und Austritte. Ziel ist es, vorausschauend zu handeln, bevor finanzielle Engpässe entstehen. Die kirchliche Arbeit soll unabhängiger von der Kirchensteuer werden. Die Evangelische Kirche im Rheinland will so auch als kleinere Kirche mit weniger Ressourcen weiter für andere da sein. Die Leitkriterien der Finanzstrategie für die Kirche der Zukunft sind zusammengefasst: unmittelbar an der Sache Christi orientiert; nahe bei den Menschen; flexibel in den Formen; effizient im Einsatz der verbleibenden Ressourcen. Darauf basiert das jetzt beschlossene Maßnahmenpaket, das sich nur auf den landeskirchlichen Haushalt bezieht. Ein Überblick über die wichtigsten Bereiche:

Studierendengemeinden (ESG) werden Gemeinden junger Erwachsener 
Die Evangelische Kirche im Rheinland ist Trägerin von Evangelischen Studierendengemeinden an insgesamt neun Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Aufgrund der zahlreichen Eingaben vor und während der Synode wurde beschlossen, dass die Marke „ESG“ auch künftig erhalten bleibt. Konzeptionell entwickeln sich die ESGn in den nächsten beiden Jahren auf Kirchenkreisebene partizipativ und standortbezogen weiter, zum Beispiel hin zu Gemeinden junger Erwachsener. Die Kontaktfläche zu den Hochschulen bleibt Teil der Konzepte. Die Landeskirche übernimmt dauerhaft Verantwortung für die neuen Gemeindeformen, indem sie diese finanziell unterstützt. In die Konzepte werden die Fragen des Studienbegleitprogramms für internationale Studierende und der Wohnheime aufgenommen.

Arbeitslosenfonds und Härtefonds werden weiter unterstützt
Die Landessynode hat entgegen dem ursprünglichen Vorschlag für eine Beibehaltung des Arbeitslosenfonds gestimmt und nur eine Kürzung um 250.000 Euro auf künftig 750.000 Euro beschlossen. Für den Härtefonds stellt die Landeskirche weiterhin 70.000 Euro (statt bisher 125.000 Euro) zur Verfügung. Gleichzeitig soll der Härtefonds in den Kollektenplan aufgenommen werden mit dem Ziel, die ursprüngliche Summe aufrecht zu erhalten.

Haus der Stille in Rengsdorf bleibt erhalten
Für das Haus der Stille hat die Landessynode den Vorschlag des Beirats aufgegriffen, einer Konzeptgruppe für die Entwicklung eines Finanzplans Zeit bis Anfang 2028 zu geben. Ziel ist, dass die Immobilie dann ab 2029 unabhängig von Kirchensteuermitteln weiterbetrieben werden kann. Die Landeskirche stellt weiterhin Finanzmittel für Personal in der geistlichen Begleitung zur Verfügung.

Vereinte Evangelische Mission (VEM)
Der Zuschuss zur VEM mit ihren 39 Mitgliedern (15 Kirchen in Afrika, 17 in Asien, sechs in Deutschland und die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel) wird um 20 Prozent reduziert. Die Reduzierung erfolgt in Schritten von jährlich zwei Prozentpunkten bis 2036. Gemeinsame Projekte zum Aufbau regionaler ökologischer Landwirtschaft, zur Traumaheilung oder zum Schutz von Frauen vor Gewalt sollen dadurch nicht gefährdet werden. Die Kürzungen werden für die Landeskirche nur zur Hälfte wirksam, da mehr Geld an den Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED) fließen wird.

Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe
Die beschlossene Maßnahme sieht Verhandlungen über eine schrittweise Reduzierung des Generalzuschusses an das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe vor. Verhandlungsziel ist eine Reduzierung des Zuschusses aus Kirchensteuermitteln im Umfang von 20 Prozent bis 2030. Für die Folgejahre ist eine kontinuierliche Anpassung an die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen vorgesehen. Bei der Reduzierung des Zuschusses geht es um organisatorische und finanzielle Synergien durch vertiefte Zusammenarbeit und die Vermeidung von Doppelstrukturen. Das verlangt eine gemeinsame strategische Klärung der Aufgabenverteilung von Kirche und Diakonie.

Alle Infos zur Landessynode in der aktuellen Ausgabe des Hefts synode.info der Landeskirche


www.ekagger.de | jth | Text: Ekkehard Rüger | Foto: Petra Stroh

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"Du bist kostbar" aus dem biblischen Buch Jesaja ist das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Düsseldorf im Mai 2027. Unterstützer des Kirchentags sind auch die bergischen Kirchenkreise, darunter der Kirchenkreis An der Agger mit den Landessynodalen Ekkehard Giehl als ehrenamtliches Mitglied des Kreissynodalvorstands (v.li.), Superintendent Michael Braun, Pfarrer Marc Platten und Stephanie Schönborn, ebenfalls ehrenamtliches Mitglied des Kreissynodalvorstands.