Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland sieht die Bekämpfung von Armut als eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Mit einem Beschluss hat sie sich nun verpflichtet, die Bekämpfung von Armut voranzutreiben. Der gesellschaftliche Fokus liege derzeit auf der Diskussion über den Missbrauch von Leistungen. „Was wir aber brauchen, ist eine gesamtgesellschaftliche Strategie“, sagte Ulrich Hamacher, ehemaliger Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region und Landessynodaler.
Aus dem Kirchenkreis An der Agger nehmen vier Delegierte an der Landessynode teil, die für den Antrag stimmten: Superintendent Michael Braun (Ausschuss für Kirchenordnung und Rechtsausschuss), Stephanie Schönborn (Nominierungsausschuss und Ausschuss für Erziehung und Bildung), Pfarrer Marc Platten (Ausschuss für Öffentliche Verantwortung) und Ekkehard Giehl (Innerkirchlicher Ausschuss). Die Landessynodalen hatten das Thema Armutsbekämpfung vorgezogen, um dem Thema Priorität in den Debatten über Sparmaßnahmen einzuräumen.
Kirchliche Angebote armutssensibel gestalten
In dem Beschluss sind Kirche und Diakonie aufgefordert, Armut und Armutsrisiken in den eigenen Strukturen systematisch wahrzunehmen und anzugehen: Zum einen sollen kirchliche Angebote armutssensibel gestaltet werden, besonders mit Blick auf Gebühren, Zugang, Sprache und Orte. Zum anderen sollen Menschen mit Armutserfahrung an Planung und Auswertung des kirchlichen Handelns beteiligt werden. Bund, Länder und Kommunen sollen aufgefordert werden, armutsfeste Regelsätze und existenzsichernde Löhne zu gewährleisten, Kinderarmut und Altersarmut prioritär zu bekämpfen, bezahlbaren Wohnraum zu sichern und soziale Infrastruktur langfristig zu finanzieren.
Bündnisse mit vielen Partnern
Die Kirchenleitung ist beauftragt, diese Forderungen aktiv zu vertreten: in Gesprächen mit Politik und Verwaltung, in Stellungnahmen sowie in Bündnissen mit Zivilgesellschaft und Wohlfahrt. Zudem soll die Kirchenleitung einmalig zweckgebundene Mittel für eine Kampagne zur Verfügung zu stellen, um Armut zum Thema im politischen Diskurs bei Wahlen und in politischen Entscheidungsprozessen zu machen. Die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen gesellschaftlichen Partnern ist dabei ausdrücklich gewünscht.
Stichwort: Armut
Grundlage für den Beschluss ist die Tagungsvorlage „Armut in einer reichen Gesellschaft“. Sie steht in einer Reihe von landessynodalen Beschlüssen zum Thema Armut wie dem Beschluss zur Kindergrundsicherung von 2020 und dem Beschluss „Energiekrise, Inflation und Armut“ von 2023. Das Papier analysiert unter anderem die augenblickliche Situation, benennt Faktoren, die das Armutsproblem zu verschärfen drohen, und schlägt Maßnahmen zur Bekämpfung vor.
Menschen, die verschuldet sind, können sich im Kirchekreis An der Agger an die Schuldner- und Insolvenzberatung in Waldbröl wenden.
Schuldner- und Insolvenzberatung
Kaiserstraße 42a
51545 Waldbröl
02291/808716
Schuldnerberatung.anderagger@ekir.de
www.ekagger.de | jth | Text: Christina Schramm | Foto: Landessynode.ekir.de









