Um 09.49.55 Uhr startet Joel das Glockengeläut. Drei Tasten muss er drücken, damit um Punkt 9.50 Uhr alle drei Glocken in Betrieb sind. Da ist die Kirche schon richtig gut gefüllt. Das Küster-Konfi-Team (bestehend aus Hannah und Joel) ist seit 9 Uhr zugange. So war der Deal. Nichts schreiben, nichts sprechen, dafür Vor- und Nachbereitung des Gottesdienstes. Früher kommen, später gehen. Hannah hat das Abendmahl bereits zusammen mit Küsterin Meike hereingetragen. Viel gibt es jetzt nicht mehr zu tun. Die Kladde geht noch mal rum; alle wissen, was zu tun ist. Wir machen ein „hilf mir“-Zeichen aus, damit es im Blackout-Fall weitergeht und niemand sich vor den vielen Leuten, die die Bänke nun besetzt haben, blamiert fühlt. Eine weitere Regel gibt es noch: L/L. Laut und Langsam. Und dann ertönt auch schon das Präludium.
Jugendliche aktiv in der Kirche
Vier Jahre machen wir das jetzt schon – und der Gottesdienst ist einer der beliebtesten im ganzen Jahr. Er ersetzt die früher übliche Prüfung vor der Konfirmation und ist einfach anders als sonst. Man sieht Jugendliche aktiv in der Kirche. In der Luft liegen ihre Ernsthaftigkeit, ihr Engagement und der immer wieder bemerkenswerte Einsatz, wenn es drauf ankommt.
Louis schlägt das Kreuz beim Votum und schaut gleichzeitig alle Menschen im Raum an, Lena betet den Psalm im Wechsel mit der Gemeinde und spricht „Herr Ze-ba-oth“ aus, als würde sie jeden Tag nichts anderes sagen. Fluffige Überleitung zum Sündenbekenntnis und anschließendem Kyrie von Lotta und Michelle. Nach dem Gnadenspruch und dem Gloria patri geht die Kladde noch einmal an Louis, der das Tagesgebet spricht und Martha ankündigt, die die Schriftlesung übernimmt. Danach groovt Luca die Gemeinde mit dem Glaubensbekenntnis ein. Wir hören: Kate Bush – Mother stands for comfort. „Mutter bedeutet Trost“. Damit werden das Lesen des Predigttextes und die Predigt eingeleitet, letztere verfasst von Moritz und Yorik. Jesaja 66: Ein starkes Bild, wie Gott Jerusalem wieder mit Leben und Freude füllt: „Ich will euch trösten, wie einen eine Mutter tröstet.“
Das Medien-Team, (Angelina und Emily) hat eine Powerpoint-Präsentation erarbeitet sowie die Gottesdienst-Kachel, die man in allen Sozialen Medien teilen kann. Der Gottesdienst-Teaser trägt den Titel „Mutterliebe“. Die Mutterliebe ist in einen Kreislauf eingebettet, weil ja das Tagesevangelium vom Sterben und Werden spricht: Jesus – das Weizenkorn, das sterben muss.
Gott als liebende Mutter
Moritz und Yorik verbeugen sich vor dem Altar. Moritz nimmt die Altarbibel, liest den Text und geht dann hinauf auf die Kanzel. Die Predigt teilen sie sich zu zweit. Die KON26 haben sich den Lätare-Texten mutig gestellt. Sie haben verstanden, dass es für jeden Sonntag Texte gibt, die sich nur alle sieben Jahre wiederholen und die Chance genutzt. In der Predigt, an der die Gemeindepfarrerin Silke Molnár rein gar nichts verändert hat, bringen sie Gott als liebende Mutter mit den Unwägbarkeiten des Lebens und dem Sterbenmüssen zusammen. Sie halten – aller deutlichen Schwierigkeiten auf der Welt zum Trotze – an dem Gedanken fest, dass mit Gottes Liebe letztlich alles überwunden werden kann, was Menschen daran hindert zu lieben. Gottes Wirken wird mit dem Butterfly-Effekt erklärt. Wow!
Die getröstete Gemeinde feiert im Anschluss das Abendmahl. Celina, Leo und Lena führen zwei Abendmahlsgruppen souverän in den Altarraum und wieder hinaus. Obwohl der Saftvorrat deutlich zur Neige geht, behalten sie die Nerven und nehmen im Anschluss selbst in aller Ruhe Brot und Wein ein, decken das Geschirr ordentlich ab und machen Platz für Celine, Johanna und Michelle, die berührende Fürbitten formuliert haben. Beim Glockenschlag betet Michelle mit der Gemeinde das Vater Unser. Yorik begleitet das Abschlusslied „Möge die Straße“ am Piano. Den Segen lässt das Gottesdienstteam gemeinsam über die Gemeinde prasseln und zieht fröhlich aus der Kirche aus. Dort nehmen die KON26 Lobesworte der begeisterten Gottesdienstbesucher*innen entgegen. Hannah und Joel müssen jetzt noch das Abendmahlsgeschirr spülen.
100 Lätare-Armbänder waren für die Gottesdienstgemeinde bestellt. Nur vier sind übrig geblieben. Pfarrerin Silke Molnár und Jugendreferentin Simone Reimers-Damelang: “Wir werden die Bänder tragen, bis sie abfallen.”
www.ekagger.de | jth | Text und Fotos: Silke Molnár & Simone Reimers-Damelang






















