In diesem Jahr begannen Christen und Muslime ihre Fastenzeit am selben Tag. Während die einen mit dem Zuckerfest ihr Fasten beendeten, feiern die anderen am Ostersonntag die Auferstehung. Doch jenseits der religiösen Bräuche verbindet die Fastenzeit die Menschen – und zeigt, wie wichtig gegenseitiger Respekt und Verständnis sind. Gleichzeitig lastet auf vielen Geflüchteten und Migranten im Oberbergischen ein wachsender Druck: durch politische Verschärfungen, bürokratische Hürden und eine unsichere Zukunft.
Fasten als Brücke zwischen den Religionen
„Die Freude, Gott im Fasten näher zu sein, ist groß“, sagt Hussein Al Safar, Mitarbeiter der Evangelischen Beratungsstelle des Kirchenkreises An der Agger. Für ihn sei die Motivation stärker als der Verzicht. Sein Kollege Omar Sabalbal freut sich, wenn christliche Freunde ihm zum Fastenbrechen gratulieren. „Wir wünschen ja auch Frohe Weihnachten oder Frohe Ostern.“ Christine Althöfer, ebenfalls in der Flüchtlingsberatung tätig, betont: „Ein gemeinsames Fastenbrechen stärkt beide im Glauben und im gegenseitigen Verständnis.“
Doch die Stimmung ist gedrückt. „Auf uns lastet ein steigender Druck“, sagt Hussein Al Safar. Die aktuelle Politik mache die Menschen unruhiger, die Integration leide darunter. Christine Althöfer ergänzt: „Man macht es den Leuten ungemütlicher – aber damit sparen wir an der falschen Stelle.“
Bürokratie und Wartezeiten: „Wo soll ich hin?“
Die Realität vieler Geflüchteter ist geprägt von Wartezeiten, unsicheren Aufenthaltstiteln und abgewiesenen Anträgen. „Klienten, die Steuern zahlen, Sprachzertifikate haben und seit Jahren hier arbeiten, bekommen oft kein Bleiberecht“, berichtet Christine Althöfer. Die Rechte der Geflüchteten würden immer weiter eingeschränkt. Eine Apothekerin aus Syrien finde trotz Qualifikation keine Stelle, ein Auszubildender kämpfe um seine Aufenthaltserlaubnis. „Jedes Schicksal ist anders“, sagt Christine Althöfer. „Ich wünsche mir einfach, dass man die Leute menschlich behandelt.“
Viele Syrer, darunter 6.500 Ärzte und zahlreiche Pflegekräfte, leben seit Jahren in Deutschland. Die Verschärfung der Gesetze stellt ihre Zukunft infrage. „Eine Rückkehr nach Syrien bedeutet Ungewissheit“, sagt Christine Althöfer. Die Frage „Wo soll ich hin?“ wird für viele immer drängender.
Wirtschaft braucht Arbeitskräfte – doch Hürden bleiben
Omar Sabalbal verweist auf Spanien, wo 500.000 Menschen ohne Papiere einen Aufenthaltstitel erhielten, weil Arbeitskräfte dringend benötigt werden. Auch im Oberbergischen gebe es genug Arbeit, doch die Hürden seien hoch. „Ich kenne niemanden, der nicht arbeiten will“, sagt er. Viele Klienten seien bei Dienstleistern beschäftigt, hätten aber keine festen Verträge und damit keine Chance auf eine Niederlassungserlaubnis.
Die Stimmung unter den Geflüchteten ist gesunken, die Arbeit der Beratungsstelle wird schwieriger. Hass im Internet und Spaltungsversuche machten sie traurig, sagt Christine Althöfer. „Unsere Klientinnen und Klienten wollen arbeiten, eine Perspektive haben.“ Doch die Wartezeiten auf Behördentermine seien unerträglich. „Das geht allen an die Psyche.“
Hussein Al Safar und Omar Sabalbal, beide deutsche Staatsbürger, fragen sich: „Wann werde ich als Deutscher von der Gesellschaft anerkannt?“ Omar Sabalbal: „Wir sind Import, aber wir sind Deutsche.“
Info:
Die Evangelische Beratungsstelle des Kirchenkreises An der Agger bietet Unterstützung für Geflüchtete und Migranten. Kontakt: Flüchtlingsberatung des Kirchenkreises An der Agger. Die Demokratiekirche Oberberg engagiert sich für ein friedliches Miteinander.
Fragen an die Leserinnen und Leser: Wie erleben Sie das Zusammenleben im Oberbergischen? Schreiben Sie uns: presse.anderagger@~@ekir.de
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www.ekagger.de | Text: Judith Thies | Foto: Kirchenkreis An der Agger/J. Thies










