Andacht: Johannistag am 24. Juni - Sommerweihnacht

| Andacht

„Noël d’été“ - das Weihnachten der Sommerzeit - nennt man den heutigen Tag in Frankreich. Eine Andacht zum Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers von Beate Ising. Heute abend, 18.30 Uhr, gibt es eine ökumenische Andacht an der Johanneskapelle in Odenspiel

Odenspiel ist zwar nicht der Nabel der Welt – oder gar des Kirchenkreises :-) – , aber was Johannes den Täufer betrifft, durchaus erwähnenswert.

Dies ist das Zeugnis Johannes des Täufers: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3, 30).

So lautet der Vers des Johannistages, dem Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers. Er – Jesu älterer Cousin – Vorläufer und Wegbereiter, erlangte schon vor Jesus Berühmtheit. Heute steht sein Leben im Mittelpunkt und die wundersame Ankündigung in seiner Beziehung zu Jesus Christus: Immer mehr tritt er in dessen Schatten.

Ursprünglich war ihm die Odenspieler Kirche geweiht. Der Taufstein gibt heute noch  Zeugnis aus dieser Zeit. In der benachbarten Johanneskapelle – 1713 ebenfalls zu Ehren Johannes des Täufers erbaut – wird alljährlich der Johannistag in ökumenischer Gemeinschaft gefeiert. Bis in meine frühe Jugend im vorigen Jahrtausend gab es die Odenspieler Johanneskirmes mit den ersten Kirschen.

Sommerweihnacht – Vorgeschmack auf Jesus Christus, das Licht, das in die Dunkelheit kommt

Johannes‘ Gedenktag am heutigen Tag wurde mit Bedacht ausgewählt: kurz nach der Sommersonnenwende und genau sechs Monate vor Weihnachten.

In Frankreich nennt man den heutigen Tag „Noël d’été“. Das Weihnachten der Sommerzeit. Auf halbem Weg zum Fest von Christi Geburt sehen wir auf Johannes, der vor Jesus kam, auf ihn hinwies und damit zum Zeuge seines Lichts wurde.

Ein eindrucksvolles Lied für diese Tage des Mittsommers ist eine ökumenische Koproduktion: Das Jahr steht auf der Höhe mit Text von Detlev Block (1978/2012) finden wir im katholischen Gotteslob (GL 465 ) und es hat die Melodie des Liedes Wie lieblich ist der Maien (Evangelisches Gesangbuch 501).

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht

Da heißt es:

1. Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

2. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.

3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

4. Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab. Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsere sinkt ins Grab. Gib, eh die Sonne schwindet,
der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

 

Zum Johannestag wollen wir innehalten und beten:

Gott,
du Herr der Zeit und unseres Lebens.
Das Jahr steht auf der Höhe,
aber der längste Tag ist schon vergangen.
Während die Nächte wieder länger werden,
denken wir an das Pendel, das hin und her schwingt
zwischen wachsen und blühen und reifen
und zum Stillstand kommen und vergehen.
Wir bitten für unser Leben um ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Engagement und zwischen Ruhe und Erholung.
Dir vertrauen wir in diesen hellen Tagen und auch dann,
wenn die dunklen Tage wiederkommen
durch Jesus Christus. Amen

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen aus Odenspiel

Beate Ising

 

Beate Ising ist  Presbyterin der Kirchengemeinde Im Oberen Wiehltal und Vorsitzende der Oberbergischen Posaunenvereinigung

www.ekagger.de | jth | Fotos: Beate Ising 

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Jedes Jahr wird der Johannestag in Odenspiel ökumenisch gefeiert. Dieser malerische Blumenteppich war beim Johannesfest zum 300jährigen Bestehen der Johannes-Kapelle in Odenspiel zu sehen.
Ein Zielort zum Hinwandern, Beten und Ausruhen: die Johannes-Kapelle und die benachbarte Kirche in Reichshof-Odenspiel
Der Taufstein in der Odenspieler Kirche hat Geschichte: Der ursprünglich sechsseitige aus Trachyt gefertigte Kesseltypus gilt als originales Ausstattungsstück des romanischen Vorgängerbaus (um 1200) der heutigen Kirche. Der Zuspruch gilt immer noch, gottseidank: Ich bin bei Euch alle Tage.