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Kirchengemeinde Drabenderhöhe

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Gemeindeamt

Drabenderhöher Str. 4, 51674 Wiehl, Telefon (02262) 2288, Fax (02262) 707830, E-Mail


Pfarrer

Pfarrer Rüdiger Kapff, Drabenderhöher Str. 4, 51674 Wiehl, Telefon (02262) 2322, E-Mail

 

"Eine Kirche, die auf einem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben.“ Vielleicht war diese Aussage nach Matthäus 5,14 ausschlaggebend für die Standortwahl der Kirche von Drabenderhöhe. Nach Meinung von Historikern stand schon vor der ersten Jahrtausendwende (ca. um 750) auf einer Anhöhe am Kreuzungspunkt alter Handelswege eine Taufkapelle in Holzbauweise in Drabenderhöhe. Sie war somit der Vorläufer des heutigen Gotteshauses. Die Höfe Büddelhagen, Obermiebach, Verr und Scheid wurden schon früh in Drabenderhöhe eingegliedert. Etwa im 12./13. Jahrhundert wurde der erste feste Bau errichtet, dessen romanischer Turm bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist.

Wechselvolle Geschichte

Am 21. Januar 1391 erwarb Herzog Wilhelm von Berg das Zehntrecht an der Kirche. Im gleichen Jahr übernahm der Johanniterorden die Pfarrstelle. 1582 ging der Besitz der Kirche an die Johanniter über und hieß „domus hospitalis Sancti Johannis Baptistae“ (Haus Johannes des Täufers). Die Kirche erlebte die Reformation lutherischer Prägung unter dem Vikar Jakob Neuleben.

Die Gebietsstreitigkeiten zwischen den Geschlechtern Berg und Homburg wurden 1604 im „Siegburger Vergleich“ beigelegt. Drabenderhöhe fiel damit an Homburg. Die Folge war die generelle Einführung des reformierten Bekenntnisstandes, denn der neue Landesherr, Graf Ludwig der Ältere, war der reformierten Lehre zugetan. Er führte in allen seinen Landen das reformierte Bekenntnis und den Heidelberger Katechismus ein. Er soll auch persönlich die Kirche in Drabenderhöhe besucht haben und daraufhin alle katholischen Symbole restlos entfernen lassen. 1605 übernahm Drabenderhöhe das reformierte Bekenntnis. Für Drabenderhöhe gab es eine weitere Veränderung: Die Höfe Dahl, Immen, Hahn, Niederhof, Hillerscheid und Jennecken wurden mit dem Kapellenbezirk Drabenderhöhe vereinigt.

Wiederaufbau, Aufbau, Umbau

Im Jahre 1696 wurden elf Häuser und die Kirche durch einen Großbrand eingeäschert. Nach diesem Brand wurde der Turm um ein Geschoss erhöht und erhielt die barocke Haube. Das Kirchenschiff wurde vergrößert. Finanziert wurde der Bau durch Spenden und durch eine Kollektenreise nach Holland, die von Peter Fischbach und Christian Herhausen durchgeführt wurde. Schon ein Jahr nach dem Brand war der Bau wieder fertig gestellt. Im gleichen Jahr wurde die Gemeinde noch einmal gebietsmäßig vergrößert. Die Höfe Weiershagen, Bergerhof, Kleebornen, Mühlen, Zur Hardt, Weiden, Linden, Fürberich, Reuschenbach und Forst, die sich wegen der schlechten Talwege nicht zum angestammten Wiehl, sondern zu Drabenderhöhe gehalten hatten, wurden ausgemeindet und zu Drabenderhöhe geschlagen. Die Vermögenswerte jedoch verblieben bei Wiehl.

Pfarrer Christian Bellingrath, der von 1729 bis 1784 amtierte, machte sich um das Schulwesen in Drabenderhöhe sehr verdient. Er beteiligte sich an dem Unterricht, der in Privathäusern abgehalten wurde. Er sorgte dafür, dass durch die Stiftung eines Hauses und eines Grundstückes die erste Schule errichtet wurde.

Als Homburg 1815 zu Preußen kam, setzte wieder eine neue Entwicklung ein: Für alle Kirchengemeinden der Aggersynode wurde 1833 die Union durchgeführt. 1839 wurde auch in Drabenderhöhe die unierte Agende (also ein Gottesdienstbuch, in dem aus reformierter und lutherischer Tradition eine gemeinsame Liturgie so formuliert war, dass die Angehörigen beider Bekenntnisse sich dort wiederfinden konnten) eingeführt.

Königliche Pläne für den Kirchenbau

Mitte des 19.Jahrhunderts wurden an der Kirche schwere Bauschäden sichtbar. Auch reichte die Räumlichkeit nicht mehr für die wachsende Zahl der Gemeindeglieder. Am 15. März 1846 wurde der letzte Gottesdienst in der alten Kirche gefeiert. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. bewilligte die Finanzierung für einen Neubau, machte aber zur Auflage, dass die Kirche nach den Plänen der Regierung gebaut werden musste. Es entstand ein Saalbau mit Apsis. Der Turm aus dem 12. Jahrhundert blieb erhalten und wurde durch einen Bogengang mit dem neuen Kirchenschiff verbunden.

Ungewöhnliche Allianz im Posaunen­chor

Im Jahre 1907 wurde die Evangelische Frauenhilfe Drabenderhöhe gegründet. Sie ist dem Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland e. V. angeschlossen. 1922 war das Gründungsjahr des Posaunenchores, der lange Jahre unter dem Dirigat des Gründungsmitgliedes Franz Kranen­berg stand. 2001 vereinigte sich der Chor mit dem Posaunenchor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Mühlen. Unter der Stabführung von Werner Sträßer spielen die Bläser nun für beide Gemeinden.

Nötiger Neubeginn nach 1945

Die politische Entwicklung von 1933 bis 1945 brachte Unruhe und Zwiespalt in die Gemeinde. Viele wandten sich von der Kirche ab. Es blieb aber eine beachtliche Schar der Kirche treu und bekannte sich auch dazu. Pfarrer Adolf Müller vertrat die Seite der Bekennenden Kirche im Kirchenkampf gegen die Deutschen Christen. Der Zweite Weltkrieg traf die Gemeinde hart. Am 21. März 1945 brannte die Kirche infolge eines Tieffliegerangriffes völlig aus. Der Konfirmandensaal und mehrere Häuser im Ort wurden durch Artilleriebeschuss stark beschädigt.

Nach Kriegsende war der Wiederaufbau der Kirche eine große Herausforderung für die Gemeinde. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 wurde der gemischte Chor gegründet, der heute 32 Mitglieder hat.

Weite Kreise der Gemeinde beteiligten sich mit Sonderopfern an der Wiederherstellung. Es schien, als solle die frühere Gleichgültigkeit wieder gut gemacht werden. Weihnachten 1949 konnte die Kirche wieder genutzt werden. Die Glocken konnten allerdings erst ein Jahr später vom Turmstumpf geläutet werden. 1953 war dann auch der Helm des Turmes wiederhergestellt.

Neue Räume für immer neue Menschen

Infolge der steigenden Zahl von Gemeindemitgliedern musste das Presbyterium überlegen, wie der Weiers­hagener Bezirk besser betreut werden konnte. Mit Engagement und viel Liebe wurde zunächst der Schulsaal für gemeindliche Zwecke hergerichtet. Im Laufe der Zeit erwies sich jedoch ein Gemeindehaus als zwingend notwendig. Mit großen Opfern der Gemeinde und mit Unterstützung von Kirche und Staat kamen die nötigen Finanzmittel zusammen. 1957 wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. In dieser Zeit wurden die meisten Diasporabezirke im Westen der Kirchengemeinde den neu gebildeten Kirchengemeinden Much und Overath zugeteilt.

Neue Heimat für Siebenbürger Sachsen

Anfang der sechziger Jahre erfuhr die Kirchengemeinde eine außergewöhnliche Entwicklung. Auf der Suche nach einem geeigneten Siedlungsgelände für ihre vertriebenen Landsleute fanden die Vertreter der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Drabenderhöhe verständnisvolle Verhandlungspartner. Nach positiven Verhandlungen und Abklärung aller Formalitäten wurde der Bau der Siebenbürger Siedlung beschlossen. So entstand in Drabenderhöhe die größte zusammenhängende Siebenbürger Siedlung Europas. In den Jahren 1964 bis 1966 bezogen die ersten siebenbürgischen Siedler die Häuser. Im Zuge der Siedlungsmaßnahme wurde neben dem Jugendheim und dem Altenheim auch ein Kindergarten gebaut. Die Trägerschaft für den Kindergarten übernahm die Evangelische Kirchengemeinde Drabenderhöhe.

Die Siebenbürger Sachsen zeigten sich traditionsbewusst und kirchentreu. So suchten und fanden die Neubürger schnell Kontakt zur Kirchengemeinde. Die Tatsache, dass die Siebenbürger Sachsen fast zu hundert Prozent der evangelischen Kirche angehören, spielte für die gelingende Integration sicher eine Rolle. Die siebenbürgischen Lutheraner mussten sich allerdings mit der Prägung der unierten Kirche auseinandersetzen. Der Kirchen- und der Posaunenchor wurden durch die siebenbürgischen Musikliebhaber bereichert.

Vision für eine gemeinsame Zukunft

Durch die Siedlungsmaßnahme wuchs die evangelische Kirchengemeinde so stark, dass man sogar darüber nachdachte, eine zweite Kirche mit Standort im Siedlungsbereich zu bauen. Da die große Zahl der Neubürger aber eine ganz klare Vision für eine gemeinsame Zukunft des Ortes hatte, erhielt der Ausbau der vorhandenen Kirche den Vorrang.

Unter dem Vorsitz von Pfarrer Wolfgang Alhäuser beschloss das Presbyterium, in das vorhandene Gotteshaus zwei Seitenemporen einzubauen, so dass heute 500 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Die Innengestaltung wurde dem Kunst- und Kirchenmaler Walter Putfarken übertragen. Allerdings nahmen diese Arbeiten wesentlich mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant. Sachverständige empfahlen, im Zuge der Renovierung eine neue Orgel einzubauen. 1978 konnten die renovierte Kirche und die neue Orgel eingeweiht werden.

Als in der Siebenbürger Siedlung ein weiterer Bauabschnitt eingeleitet wurde, vergrößerte sich die Gemeinde erneut. Dem Presbyterium schien es sehr wichtig, für die jetzt nötige zweite Pfarrstelle einen Pfarrer sieben­bürgischer Herkunft zu gewinnen. Im Oktober 1978 wurde Pfarrer Kurt Franchy in den Dienst der Gemeinde aufgenommen.

Bald zeigte sich, dass die vorhandenen Räume auch nicht annähernd ausreichten, um den vielen Aktivitäten gerecht zu werden. Auch ein Pfarrhaus für die zweite Pfarrstelle war zwingend notwendig. Nach intensiven Beratungen wurde der Beschluss für den Neubau eines Gemeinde- und eines Pfarrhauses gefasst. Als Standort wählte das Presbyterium die Nahtstelle zwischen Altdorf und Siebenbürger Siedlung. Eine positive Entscheidung, wie sich zeigte. Im neuen Gemeindehaus treffen sich Alt- und Neubürger zu verschiedenen Veranstaltungen. Kirchenchor, Posaunenchor, Frauen­hilfe und verschiedene Kreise sind Wegbereiter für die gelingende Integration.

Jugendarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt in der Kirchengemeinde ist die Jugendarbeit. Nach der Einweihung des neuen Gemeindehauses wurde Wolfgang Kuhn als erster Jugendwart eingestellt. Auch unter den nachfolgenden Jugendleitern und vielen ehrenamtlichen Helfern hat sich die Jugendarbeit gut entwickelt. Kindergottesdienste und Kinderbibeltage sind feste Bestandteile des Gemeindelebens. Besonders die Kinderbibelwochen haben großen Zuspruch und werden gut besucht.

Bedingt durch die große Spätaussiedlerwelle aus Polen und der früheren Sowjetunion hatte sich das Presbyterium die Aufgabe gestellt, im Gemeindehaus eine Lernhilfe für Kinder mit Schwächen in der deutschen Sprache anzubieten. Diese Einrichtung fand großen Anklang und zeigte gute Erfolge.

Diakonie

Eine große Aufgabe sieht das Presbyterium in der diakonischen Arbeit. Im neuen Gemeindehaus wurde für die Gemeindeschwester ein Büroraum ein­gerichtet. Alte und hilfsbedürftige Menschen hatten nun eine zentrale Anlaufstelle. Im Januar 1986 wurde die Gemeindeschwester in die neu gegründete Diakonie-Sozialstation Wiehl integriert. Das Presbyterium steht bis zum heutigen Tag uneingeschränkt für die Arbeit der Diakonie-Sozialstation ein. Besuche vom diakonischen Hilfsdienst bei kranken Gemeindegliedern sind eine Selbstverständlichkeit.

Die fast tausend Jahre alte Kirchen­gemeinde Drabenderhöhe ist für viele Siebenbürger Sachsen und deutsche Aussiedler aus verschiedenen Ländern Osteuropas zur neuen Heimat geworden. Mögen alle eine von Gott gesegnete Zukunft in Frieden und Freiheit erleben.

Michael Hartig, Ehem. Finanz­kirchmeister