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Wunsch einer Religionslehrerin zum Advent

| Bildung & öffentliche Verantwortung

Schulen bieten mit den Schulgottesdiensten vor Weihnachten Momente der Besinnung und der Einkehr. Susanne Eckhardt, Religionslehrerin und Rektorin der Realschule Wipperfürth, hat einen Wunsch für die Adventszeit.

"Menschen sind im Stress, wohin man schaut. Das ist auch in der Schule nicht anders. Nicht nur Kolleginnen und Kollegen, auch Schülerinnen und Schüler – ältere wie jüngere – weisen Symptome einer rastlos gewordenen Zeit auf. Darüber hinaus haben nicht wenige bereits in jungen Jahren diffuse Ängste, die einem fröhlichen, unbeschwerten Kinderdasein im Weg stehen.

Warum kommt der Mensch nicht mehr zur Ruhe? Soziologen wie Psychologen können sicherlich zahlreiche Antworten auf diese Frage geben. EINEN Grund kann ich in einem Alltag entdecken, in dem kaum noch Raum für STILLE ist. Die wenigen Gelegenheiten inmitten eines randvollen Arbeitstages - für Erwachsene wie für Kinder - fallen nahezu ausnahmslos dem Handykonsum zum Opfer.

Wer kennt das noch, sich einfach dem Moment hingeben, verweilen, nichts tun, nicht einmal nachdenken, vielleicht sogar Langeweile erleben?

Alle Religionen kennen Zeiten der stillen Einkehr

Alle Religionen kennen Zeiten der stillen Einkehr. Jesus hat es vorgelebt, als er sich in die Wüste zurückzog, um den Wirren und Ablenkungen der lauten Welt zu entgehen. In der Einsamkeit konnte er die heilsame Erfahrung machen, wie notwendig es für den Menschen ist, sich immer wieder zu erden, in tiefen Kontakt mit der eigenen Seele zu treten, der Stimme Gottes aufmerksam zu lauschen.

Nicht nur die Vorbereitungszeit auf Ostern, sondern ebenfalls die auf Weihnachten war von jeher eine Zeit der Besinnung, des Ruhigwerdens, des Blickes nach innen.

Wie kann die Adventszeit heute dazu beitragen, die eigene Mitte wiederzuentdecken?

Neben wunderbaren gemeinschaftlichen Erlebnissen in der Vorbereitung auf Weihnachten empfehle ich „einsame Zeitintervalle“. Dabei sind stundenlange Spaziergänge durch den winterlichen Wald sicherlich genauso wohltuend wie die Zeit für eine Lieblingstätigkeit, bei der der Geist einmal ruhen kann.

Es tut unendlich gut, in der Stille und Einsamkeit wieder bei sich anzukommen und tief durchzuatmen; in der Tiefe zu erkennen, dass ich in Gott wohl behütet und gut aufgehoben bin; dass der Stress des Alltags mit all seinen Sorgen und Ängsten außen vor bleibt und mir – zumindest für eine kurze Weile – nichts anhaben kann.

"Fürchte Dich nicht"

„Fürchte dich nicht“, sagt der Engel Gabriel zu Maria. Dieser Appell zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel.

Und offensichtlich formuliert er das, was uns alle angeht: Es tut uns allen gut, wie Maria einfach „Ja“ zu sagen, lernen, die Kontrolle abzugeben und Gott in unserem Leben zuzulassen."

 

www.ekagger.de | jth | Foto: Kirchenkreis An der Agger, Hermann-Voss-Realschule

 

 

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Einsame Zeitintervalle mit einem Blick in den Himmel tun gut - auch Schülerinnen und Schülern -, um sich im Advent auf Weihnachten vorzubereiten, findet Susanne Eckhardt.
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Auch Schulen können Orte der Stille sein. Das Foto zeigt die Hermann-Voss-Realschule Wipperfürth - künstlerisch verfremdet.