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Superintendent: „Wir sind als Kirche weiter präsent“

| Aktuell

Michael Braun hat dem Magazin "Aggertaler" im Interview erzählt, warum er sich auf die Herbstsynode freut.

Seit dem 1. Februar 2020 ist Michael Braun (51) der erste hauptamtliche Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger. Der frühere Kreispfarrer des Kirchenkreises Oldenburger Münsterland trat die Nachfolge von Jürgen Knabe an, der 19 Jahre an der Spitze des Kirchenkreises gestanden hatte. Inzwischen hat Michael Braun zusammen mit seiner Frau Claudia, ebenfalls Theologin, nach einem kurzen Intermezzo auf dem Hepel in Gummersbach („Von dort hatten wir einen herrlichen Blick in Richtung Aggertalsperre“) sein neues privates Domizil, ein wunderschön restauriertes altes Fachwerkhaus in der Wiehler Innenstadt bezogen. Den Umzug von Cloppenburg ins Oberbergische hat auch die jüngste Tochter Frederike mit den Eltern vollzogen, während die beiden älteren Kinder aus Studiengründen in Niedersachsen und Thüringen blieben.

Von seinem neuen Wohnort Wiehl ist Michael Braun auf Anhieb begeistert, wobei die Suche nach einem neuen Zuhause nicht einfach war, wie er gesteht: „Das Oberbergische scheint auf dem Wohnungsmarkt sehr beliebt zu sein.“ Eine Tatsache, die der neue „Chef“ von rund 85.000 evangelischen Christen in 24 Kirchengemeinden von Wipperfürth bis zur Sieg durchaus nachvollziehen kann: „Ich bin einfach begeistert von der faszinierenden oberbergischen Landschaft – das ist fast wie Urlaub.“ Auch seine aus Ochsenfurt am Main stammende Frau Claudia hat die „Bucklige Welt“ auf Anhieb liebgewonnen: „Für meine Frau ist Oberberg fast wie ein Stück Heimat.“ Allerdings, Michael Braun hat unmittelbar nach seinem Umzug nach Wiehl auch schon die landschaftlichen Unterschiede zu seiner früheren Wirkungsstätte feststellen müssen: „Als ich mit meinem Hollandrad von Wiehl ins Büro nach Dieringhausen radeln wollte, da habe ich spätestens am Bomiger Berg gemerkt, dass ich ein Fahrrad mit mehr als nur einem Gang brauche – ich musste jedenfalls phasenweise schieben.“

Aber ansonsten hat Braun, der genau wie seine Frau ein begeisterter Wanderer ist, das Oberbergische als wunderschönes Wandergebiet schon kennen- und liebengelernt: „Wir haben schon einige Bergische Streifzüge erwandert und sind ganz begeistert von der herrlichen Landschaft hier. Und demnächst will mir mein katholischer Kollege, Kreisdechant Christoph Bersch, den ,Luther-Wanderweg‘ rund um Lieberhausen zeigen.“ Begeistert ist Braun aber auch von seinem neuen Wohndomizil („In diesem Ambiente muss man sich einfach wohlfühlen“) und von den tollen Einkaufsmöglichkeiten in seinem neuen Wohnort. Einen besonderen Bezug hat Braun natürlich auch zur Wiehler Kirche, in der er am 7. Februar 2020 von Präses Manfred Rekowski in sein Amt als Superintendent eingeführt wurde.

Und bei seinen abendlichen Spaziergängen an der Wiehl entlang hat der sportbegeisterte Michael Braun, der als Kind mit dem Handballsport begann („Daher kannte ich auch den VfL Gummersbach“), später in seiner Jugendzeit Tennis-Stadtmeister im Doppel in Oldenburg war, entdeckt, dass er die Tennisplätze in der Wiehlaue „gut fußläufig erreichen kann“. Lediglich für sein heutiges Hobby Kyudo, eine japanische Art des Bogenschießens, hat er im Oberbergischen noch keinen Klub gefunden: „Dafür habe ich mir jetzt einen Verein in Köln gesucht. “

Kein Zweifel, Michael Braun ist privat im Oberbergischen angekommen, aber auch beruflich hat er seine Entscheidung, sich für die Nachfolge Jürgen Knabes als Superintendent zu bewerben, nicht bereut. Und hört man sich in seinen engsten Mitarbeiterkreisen um, in denen Braun als „sehr kommunikativ, analytisch, schnell, pragmatisch und humorvoll“ beschrieben wird, dann hat die Kreissynode die richtige Wahl getroffen. Braun war bekanntlich zusammen mit drei anderen Bewerbern in die engere Wahl gekommen und war dann schon im ersten Wahlgang überraschend deutlich mit der absoluten Mehrheit gewählt worden.

Mit dem neuen Superintendenten führte die Redaktion folgendes Kurzinterview.

Herr Braun, wie haben Sie die ersten Monate in Oberberg erlebt?

Michael Braun: Mein erster Eindruck ist, dass ich einen sehr lebendigen Kirchenkreis mit sehr selbstbewussten und engagierten Gemeinden, die teilweise sehr unterschiedliche Ausprägungen aufweisen, angetroffen habe. Ich war auch sehr positiv davon angetan, auf welche Offenheit und Warmherzigkeit ich bei meinen ersten Kontakten getroffen bin, das trifft sowohl auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreiskirchenamt und die  Kirchengemeinden zu, aber auch auf die Pfarrerkolleginnen und Kollegen beim ersten Pfarrkonvent. Natürlich war die erste Phase sehr intensiv von organisatorischen Dingen geprägt. Und dann kam Corona.

Mit welchen Konsequenzen für Sie und Ihre Arbeit?

Der Lockdown traf uns mitten in die Vorbereitungen für das Osterfest und die Ostergottesdienste. Da musste ich den  geplanten ersten Besuch bei Landrat Jochen Hagt absagen und meine Besuche bei den einzelnen Kirchengemeinden verschieben. Ein sehr bewegender Moment war für mich, als wir die meisten Mitarbeitenden mit einer Andacht  ins Homeoffice verabschieden mussten.

Wie schwer ist Ihnen die verordnete Absage der Gottesdienste gefallen?

Die Verkündung von Gottes Wort ist eine zentrale Aufgabe unserer Kirche, deshalb war die Absage der Präsenzgottesdienst für alle Gemeinden schon ein tiefgreifender Einschnitt, wie wir ihn  alle in der Form noch nie erlebt haben – aber es gab keine Alternative. Ich  bin sehr dankbar, dass wir es in allerkürzester Zeit geschafft haben,  andere Angebote zu machen. So haben wir schon am Sonntag, 22. März, also nur drei Tage nach der Verordnung des Oberbergischen Kreises, den ersten Internet-Gottesdienst und täglich eine Online-Andacht angeboten. Das spricht für das große Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber unser vorrangiges Ziel war, weiter präsent zu sein und den Menschen in dieser schweren Zeit Halt und Hilfe zu bieten.

Können Sie nach so kurzer Zeit schon die Arbeit in den einzelnen Kirchengemeinden beurteilen?

Wie schon gesagt, ich habe wegen der Beschränkungen noch nicht allen Gemeinden einen Besuch abstatten können, ich setze jetzt meine Besuche wieder fort,  und wir haben mit Videokonferenzen und dem Pfarrkonvent im Internet ganz neue kommunikative Wege eingeschlagen. So habe ich schon festgestellt, dass die Presbyterien vor Ort sehr gute und engagierte Arbeit leisten. Ich freue mich, dass ich jetzt wieder verstärkt persönliche Gespräche führen kann, natürlich mit allen Vorsichtsmaßnahmen, das gilt vor allem für die neuen Presbyter, die ja just zu Beginn der Corona-Pandemie am 1. März gewählt worden sind. Ich möchte sehr gern das  normale Leben in den einzelnen Gemeinden kennenlernen.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Ich hoffe, dass  nach den Sommerferien ein Hauch von Normalität einkehrt und dann auch in den Kirchengemeinden wieder eine erweiterte  Arbeit möglich ist. Wir haben leider unsere Sommersynode erst von Juni auf Ende August verschoben, jetzt aber abgesagt. Schade. Ich hatte mich schon sehr  auf dieses Treffen mit den mehr als 130 Synodalen aus allen 24 Gemeinden gefreut.  Jetzt wünsche ich mir, dass  die für November geplante Herbstsynode im normalen Rahmen realisierbar ist. Das wäre für die gemeinsame Zusammenarbeit in unserem Kirchenkreis ganz wichtig. Darauf freue ich mich.

Text: Dieter Lange | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/Judith Thies

Das Interview ist erschienen in den aktuellen Ausgaben 2 | 2020 von "Aggertaler. Das Magazin für das Aggertal" und "Homburger. Das Magazin für Nümbrecht und Wiehl" im medienverlag.  Wir bedanken uns für die Nutzungserlaubnis.

ekagger.de | jth

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Der neue Superintendent Michael Braun hat inzwischen ein wunderschön restauriertes Fachwerkhaus in der Wiehler Innenstadt bezogen.
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Die alte Mühlenbrücke in Wiehl hat es dem Theologen, der sich sehr für Geschichte und Regionalgeschichte interessiert, angetan.