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Offene Kirche in Waldbröl war für Gemeinde ein Erfolg

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Die Evangelische Kirchengemeinde Waldbröl hat in der Corona-Zeit die Kirche mit allen Vorsichtsmaßnahmen geöffnet. Bis zum 5. Mai haben mehr als 1000 Menschen die offene Kirche besucht.

Der Begriff „Offene Kirche” bedeutet konstantes kirchliches Leben für die Evangelische Kirchengemeinde Waldbröl. Er bedeutet aktuell auch, eine offene Kirchengemeinde zu sein, die in der Corona-Krise eine Alternative im Sinne einer konkreten Besuchsmöglichkeit des Gotteshauses zur Verfügung stellt. Das Ziel dieser Aktion war es, Ruhe und Rückzug durch Raumwechsel zu ermöglichen, um die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf bewusst zu pflegen und mit der Angst und Verunsicherung, die gegenwärtig omnipräsent ist, den Raum Gottes aufsuchen zu können.
Die Türen der „Offene Kirche“ wurden am 22. März geöffnet und am 5. Juli geschlossen. Das Presbyterium hatte am 16. März hat das Projekt „Offene Kirche“ beschlossen und nahm  es in den folgenden Presbyteriumssitzungen stets als wichtigsten Tagesordnungspunkt neu auf.

Dem Arbeitskreis der Vorbereitenden gehörten die Pfarrer, der Küster und die Hauptamtlichen an, später auch die Ehrenamtlichen und die Presbyterinnen und Presbyter. Der Küster hat den Kirchenraum den geltenden Vorschriften gemäß vorbereitet. Die Stühle sind in eineinhalb Meter Abstand voneinander aufgestellt worden. Am Ausgang wurden mehrere Händedesinfektionsmöglichkeiten angeboten. Über die Vorbereitung der Kirche wurde das Ordnungsamt in Waldbröl unterrichtet. Das Ordnungsamt in Waldbröl hat daraufhin die Umsetzung der Vorschriften vor Ort geprüft. Offene Kirche bedeutet in diesem Zusammenhang auch offener Raum, der - zur Sicherheit aller - geprüft wird.

Die offene Kirche war vom 22. März bis 10. Mai täglich zwischen 10 bis 13 Uhr und 17 bis 19 Uhr mit je einer Aufsichtsperson geöffnet. Den Aufsichtsdienst haben in erster Linie die Pfarrer und die Hauptamtlichen geleistet, ab Anfang Mai auch die Presbyter und Presbyterinnen. Bis zum 5. Mai wurde die offene Kirche von mehr als 1000 Personen besucht. Vom 11. Mai bis 3. Juli war unser Gotteshaus dienstags, mittwochs und freitags jeweils zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet.

Ab 3. Mai wurden wieder Gottesdienste gefeiert. An Pfingsten wurde Abendmahl gemäß den Coronaschutzverordnungen ausgeteilt, und am Pfingstmontag wurde ein ökumenischer Gottesdienst in einer kleineren Gemeinschaft gefeiert.

Spirituelle Begegnung mit sechs Stationen

Im Kirchenraum haben wir sechs Stationen spiritueller Begegnung angeboten.

1. Andacht

Die Kirche wurde täglich um 10 Uhr geöffnet und das Angebot mit einer Andacht eröffnet, die entweder von Pfarrern oder Hauptamtlichen des Kirchenkreises An der Agger vorbereitet wurde. Hier sind wir als Gemeinde der Aktion des Kirchenkreises gefolgt. Vor den Andachten wurde vom Platz aus gebetet. In der Karwoche wurden keine Gottesdienste gehalten, aber die Gemeindepfarrer haben entsprechend intensivere Andachten vorbereitet. Am Ostersonntag folgte die Kirchengemeinde Waldbröl dem Vorschlag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), um 10.15 das Lied „Christus ist erstanden” auf dem Kirchvorplatz zu singen.

2. Ruhe und Inspiration

Während der Öffnungszeit haben wir für die Besucher Ruhe- und Gebetsmöglichkeiten angeboten. Einige Leute haben nur wenige Minuten in der Kirche verbracht, anderen blieben bis zu über 60 Minuten. Einige Menschen haben unsere Kirche täglich besucht und viele Besucher kamen aus den Nachbargemeinden – insbesondere an den Wochenenden. Nach dem Osterfest haben wir Osterkerzen an alle Besucherinnen und Besucher der Kirche verschenkt. Wir haben verschiedenen Bibelsprüche in einer Power-Point-Präsentation als Inspiration vorbereitet (Psalmen, Epistelworte, Texte aus den Evangelien), die die Besucherinnen und Besucher in ihre jeweilige Situation sprechen lassen konnten.

3. Seelsorge

Im Kirchenraum wurde der Kinderraum zum Gesprächsraum umfunktioniert. Die Pfarrer der Gemeinden haben persönliche und telefonische Seelsorge angeboten.

4. Abendmahl zur Selbstbedienung

Vor dem Taufbecken wurde einen Tisch für die Möglichkeit des Abendmahls zur Selbstbedienung aufgestellt. Die Sakramente Taufe und Abendmahl waren so in gewisser Hinsicht präsent. Während der Corona-Zeit waren sie nicht im üblichen Sinne erlaubt, aber durch Selbstbedienung war eine Option der Erinnerung vorhanden. Die Einsetzungsworte wurden an der Wand aufgehängt, und am Tisch waren in Einzelkelchen Wein und Traubensaft verfügbar. Rund 150 Menschen haben auf diese Weise Abendmahl im geschützten Raum gefeiert und als sichtbares und sinnliches Erleben einen Gottesdienstteil nachvollziehen können, der ihnen ansonsten zeitweise unzugänglich geblieben wäre.

5. Trauer und Klage

Die Besucher konnten nicht nur Gebete sprechen, sondern auch hinterlassen. An der Trauerwand hängen noch immer 29 Gebete von den Gemeindegliedern, die beim Online-Gottesdienst und anderen Gottesdiensten oder Andachten vorgelesen worden sind.

„Guter Gott, manchmal fehlen mir die Worte. Die Worte zum Gebet, weil die Trauer und das Verloren sein auf Grund der aktuellen Situation auf mir lastet. Schenke uns allen deinen Segen und lass unsere Kirche stark in dieser Krise sein.“

„Gott ich bitte dich für die Alten, die Kontakte so nötig haben, und jetzt mit Abstand leben müssen. Sei bei Ihnen, stärke sie, dass Menschen ihnen beistehen und Zuversicht geben.“

„Liebender Gott, segne mich und meine Familie, alle Kranken und Leidenden.“

„Gott, ich bitte dich, lass uns die Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg und Hunger nicht vergessen und gib, dass von dem vielen Geld, was auf einmal da ist, diese Menschen auch etwas bekommen.“

„Bitte Herr lass uns auch Ohren haben für die Ängste unserer Jugendlichen. Es geht ihnen gerade nicht gut.“

„Ich bitte dich um Mut, weiterzumachen!“

„Sozialkontakte meiden. Herr, das tut weh.“

„Vater, danke dass wir so schöne friedliche Jahre hatten. Nun sind wir herausgerissen und müssen uns neu orientieren. Weise uns, Herr, deinen Weg! Tröste uns, wenn die Ängste groß werden. Danke, dass du da bist.“

„Lass die nicht im Stich, die sich ausgegrenzt fühlen, die glauben, keinen Halt zu haben.”

„Gütiger Vater, segne unser neues Presbyterium, mache es zu deinem Werkzeug, zeige jedem davon seinen Platz, seine Aufgabe, sei Du jedem Presbyter Motor und Bremse zugleich. Danke, dass Du diese Menschen in diesen Dienst stellst.”

„Gott, lass Familien zusammenwachsen und Freunde auch, die nicht sehen werden dürfen! Verbunden sich!”

„Gott bitte, mach, dass diese Zeit nicht zur Zerreißprobe für Paare und Familien wird, sondern ein Segen für die Beziehungen der Menschen enger zusammenschließt.”

6. Kerzen anzünden, „Licht machen“, Fürbittenritual

Für das Anzünden von Kerzen und Aufstellen derselben wurde ein besonderer Stein aufgestellt, der normalerweise in der Michaelskapelle steht, in dem Familienandachten und kleine Taufen gehalten werden. Die Besucheriinnen und Besucher konnten hier mit einem kleinen Kerzenritual eigene Gebete oder Fürbitten mit dem „Licht machen“ verbinden und ihre Anliegen vor Gott bringen.

7. Musik

Die „offene Kirche“ wurde meist in den nachmittags Öffnungen mit Musik begleitet. Die Organistiinnen und Organisten und der Kantor haben in diesen Stunden mit besinnlicher Orgelmusik den Raum der Stille gefüllt. Das Hygienekonzept an der Orgel hat der Kantor nach den Vorgaben der Landeskirche erstellt.

Chorproben und Musik

Nachdem Lockdown Mitte März wurde die aktive Chorarbeit herunter gefahren. Lange Zeit war unklar, wie es nun weiter gehen kann. Verschiedene Methoden, die Chorsängeriinnen und -sänger bei Laune zu halten, wurden erprobt. So entstanden kleine Übungsvideos, die per WhatsApp oder YouTube versendet wurden. Aber auch das neue Video-Medium „Zoom“ wurde auf Herz und Nieren geprüft. Mit der Aufzeichnung der Online-Gottesdienste für die Festtage im Osterfestkreis wurde erstmals wieder in einer Gemeinschaft unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen gesungen - ein wahrer Meilenstein nach langer Abstinenz.

Mit dem Beginn der Präsenzgottesdienste formte Kantor Pascal Salzmann gemeinsam mit der Popularkirchenmusikerin Romy Bürger Singteams für die Gottesdienste, da die Gemeinde noch nicht singen darf. In einem Sicherheitsabstand singen auf der Empore maximal 8 Personen mit Begleitung der Orgel oder dem Flügel. Über die Sommerferien wird dieses Konzept weiterhin fortgesetzt.

Am Ausgang wurde einen Korb aufgestellt, in dem die Besucher der offenen Kirche eine Spende hinterlassen konnten. Die Besucher der „offene Kirche“ haben fast 900 Euro gespendet, und das neue Presbyterium hat beschlossen, dass alle Presbyter mit allen Pastoren der Gemeinde 10 Euro für die Coronakrise spenden. Diese Spende wird für Betroffene der Coronakrise innerhalb der Gemeindearbeit verwendet.

www.ekagger.de | jth | Text: Dr. Sándor Károly Molnár | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/Judith Thies; Kirchengemeinde Waldbröl

 

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Presbyterin Elisabeth Fischer, Zahnärztin aus Waldbröl, und Pfarrer Sándor Károly Mólnar gehören zum Organisationsteam.
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Einladend und stimmungsvoll war die Kirche hergerichtet.
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Mit Abstand saßen die Besucherinnen und Besucher in der Kirche, zum Teil länger als eine Stunde, um die Ruhe und den Trost des Raumes aufzunehmen.
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Das Abendmahl hat die Gemeinde stationär angeboten.
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Die Einsegnungworte konnte man nachlesen.
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Es gab Wein oder Traubensaft - so war niemand ausgeschlossen. Jeder war und ist in der evangelischen Kirchengemeinde willkommen.