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Jahrespresseempfang: Leidenschaftliche Kirche in der MItte der Gesellschaft

| Kirchenkreis

Bei jährlichen Presseempfang ging es um die Lage der Kirche im Jahr 1 nach dem Reformationsjubiläum.

Beim Jahrespresseempfang des Kirchenkreises An der Agger in Wiehl sind Vertreter des Kirchenkreises und der regionalen Medien ins Gespräch gekommen über die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft.  Der Bogen spannte sich von ganz praktischen Fragen im interreligiösen Dialog vor Ort bis zu Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit und Teilhabe. Das Thema „Reformation heute“ nahm einen breiten Raum an dem Abend ein.

Die Jubiläen „500 Jahre Reformation“ und „200 Jahre Kirchenkreis“ haben das kirchliche Handeln im vergangenen Jahr maßgeblich bestimmt. Mehr als 80 gemeindliche und kreiskirchliche Veranstaltungen hatten sich dem Thema der Reformation und ihrer Aktualisierung für die heutige Zeit gewidmet.

Hierbei hat sich gezeigt, so Superintendent Jürgen Knabe: „Christlicher Glaube hat keinen musealen Charakter, sondern gewinnt seine Relevanz immer wieder neu in der aktualisierenden Bezeugung in dieser Welt.“ Der Begeisterung, die unter anderem beim Luther-Pop-Oratorium und beim Kreiskirchentag mit Präses Manfred Rekowski zu spüren war, soll auch im Jahr 501 nach der Reformation und darüber hinaus nachwirken.

Superintendent Jürgen Knabe betonte, wie wichtig die einladende Weitergabe des Evangeliums nach den Kerninhalten der Reformation sei. Dabei spricht er für die Pfarrerinnen und Pfarrer in den 25 Kirchengemeinden des Kirchenkreises und die Mitarbeitenden in den drei Fachbereichen Diakonie und Seelsorge, Bildung und Öffentliche Verantwortung sowie Mission und Ökumene.

Zentral in diesen Zeiten des Umbruchs der Kirche seien ein bekennender Glaube und nachhaltiges diakonisches Handeln. In die Gesellschaft hinein müsse die Kirche für Frieden und Gerechtigkeit eintreten. Zu bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen habe die Kirche aus dem Evangelium heraus Stellung zu nehmen, so Jürgen Knabe. Das Evangelium müsse immer gesellschaftsrelevant ausgelegt werden und somit in die derzeitige Gesellschaft und Welt einbezogen werden.

Das Reformationsjubiläum hat die beiden christlichen Kirchen näher zusammengeführt. Die starke Ökumene im Kirchenkreis An der Agger soll auch in diesem Jahr mit gemeinsamen Pfarrkonventen und Veranstaltungen weiter zum Wohl der Menschen gefördert werden

In Bezug auf den christlich-islamischen Dialog machte Jürgen Knabe deutlich, dass der Kirchenkreis weiter auf Begegnungen und Gespräche setzt, nur dadurch könne das bisherige Nebeneinander sich zu einem Miteinander entwickeln und einer weiteren Entwicklung von Parallelgesellschaften vorbeugen.

„Leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft“

Pfarrer Andreas Spierling, Skriba des Kirchenkreises und Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bergneustadt, betonte, wie wichtig es ist, dass die Kirche mit ihren Angeboten mitten in der Gesellschaft präsent ist. Unter anderem hat die Kirchengemeinde Bergneustadt an Heiligabend einen Gottesdienst im Krawinkelsaal angeboten. Es sei für viele ein Wagnis gewesen, den geschützten Raum der Kirche zu verlassen und in ein öffentliches Gebäude zu gehen. „Wenn wir Kirche in der Mitte der Gesellschaft sein wollen, dann mit Leidenschaft.“

Die Kirche setzt sich ein für eine stärkere Vernetzung mit anderen Sozialpartnern, Kommunen, Verbänden, Vereinen und diakonischen Einrichtungen zum Nutzen der Menschen. Die Kirche soll Heimat bieten, Teilhabe möglich machen, als Diakonie Versorgungsketten planen und tätige Nächstenliebe üben.

„Mit anderen um andere kümmern“

Die Diakonie als tätiger Arm der evangelischen Kirche ist seit jeher mit anderen Trägern, mit Kommunen und der Kreisverwaltung in Kontakt, um den Schwachen in der Gesellschaft zu helfen. Diakoniepfarrer Thomas Ruffler und Georg Huber, Leiter des Evangelischen Altenheims in Bergneustadt, berichten von ihren Erfahrungen von Diakonie in der Mitte der Gesellschaft und einer Verzahnung der sozialen Arbeit. „Vielleicht können wir ein Motor für leidenschaftliches Wirken in der Gesellschaft sein“, so Ruffler. Georg Huber schilderte sehr persönlich, wie schwierig es sein kann, geliebte Menschen in eine Einrichtung zu geben. „Das sind immer Herzensentscheidungen, die manchmal herzzerreißend sind.“ Umso wichtiger sei es, dass Kirche und Diakonie sich stark machen für eine starke Pflege.

Mitarbeiter von Gemeinden und diakonischen Einrichtungen kennen sich gut aus im Gemeinwesen, wissen um die Probleme der Schulen, Vereine und anderer religiöser Gemeinschaften vor Ort. Die Rolle der Kirche und gleichsam die Rolle der Diakonie im Quartier vor Ort seien immens hoch. Beide müssen Türen öffnen, Räume anbieten, Milieus überbrücken und gemeinsame Erfahrungen gestalten.

Der Anspruch, nah bei den Leidtragenden zu sein, gelte nach wie vor, bekräftigten Jürgen Knabe und Thomas, etwa durch die kostenfreien Angeboten der Diakonie, wie etwa der Schuldnerberatung oder dem Haus für Alle, der Erziehungs-, Familien, Ehe- und Lebensberatung. Klaus Dripke, Mitglied des Kreissynodalvorstand, nannte neben der finanziellen Armut auch geistliche und ethische Armut als Probleme. Es gelte, sich die eigenen Werte bewusst zu machen und zu stärken, gerade auch bei Kindern und Jugendlichen.

Wechsel im Kreiskantorat steht an

Kreiskantor Hans-Peter Fischer gab einen Ausblick auf die musikalischen Höhepunkte in diesem Jahr, unter anderem mit der Konzertreihe Barockorgel Eckenhagen, die zum zehnten Mal stattfindet. Hans-Peter Fischer verabschiedete sich gleichsam aus der Presserunde, denn er geht im Herbst in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird Dr. Annemarie Sirrenberg aus Bergneustadt sein.

www.ekagger.de | jth | Foto: Kirchenkreis An der Agger/J.Thies  

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Gaben Impulse zum Thema Kirche und Diakonie in der Mitte der Gesellschaft: Superintendent Jürgen Knabe, Skriba Andreas Spierling, Assessor Thomas Ruffler und Georg Huber, Leider des Ev. Altenheims Bergneustadt.