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Herbstsynode 2017: Kirche als ein wesentlicher Anker in der Gesellschaft

| Kirchenkreis

Der Kirchenkreis will Aufgaben und Strukturen der Gemeinden in einer sich verändernden Gesellschaft klären.

Die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger hat das Thema „Leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft“ ins Zentrum seiner Beratungen gestellt.  Zur Eröffnung des zweiten Synodentags hatte Jochen Hagt, Landrat des Oberbergischen Kreises, die Kirche in einem Grußwort  „einen wesentlichen Anker in unserem Gemeinwesen“ genannt.  An die  130 Synodalen aus den 26 Kirchengemeinden gewandt, sagte er: „Ich möchte Sie auffordern, zu überlegen, wie Sie sich stärker in gesellschaftliche Prozesse einbringen können.“

Als Beispiele nannte er den LEADER-Prozess und die Regionale 2025, regionale Strukturfördermaßnamen des Landes. „Ich kann Sie dazu nur ermutigen.“ Die Kirche sei viel mehr als Kirchgang und Kirchensteuern. Sie sei schon mitten in der Gesellschaft - über die Diakonie beispielsweise, über die Kindertagesstätten und andere Einrichtungen. „Leider wird das manchmal nicht so wahrgenommen.“

Der Wiehler Bürgermeister Ulrich Stücker nannte das starke Engagement in der Flüchtlingshilfe als Beispiel für die aktive Rolle der Kirche in der Gesellschaft. „Die Kirche hat sich in der Flüchtlingsherausforderung bewährt.“ In  Bezug auf den in Wiehl geplanten, dann doch abgesagten AfD-Parteitag lobte Stücker: „Die Kirche hat hier Kante gezeigt, hat sich in vorbildlicher Weise eingebracht.“ Sie habe im Miteinander Haltung bewiesen.  

„Wir haben hier von zwei politischen Vertretern gehört, wie sehnlich wir erwartet werden“, sagte der Hauptredner der Synode, Dr.  Ralf Kötter, Dozent am Gemeinsamen Pastoralkolleg für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte-Villigst.

Ralf Kötter war Pfarrer der Lukas-Kirchengemeinde im Kirchenkreis Wittgenstein  und ist Autor des Buchs „Das Land ist hell und weit. Leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft“. Die Thesen Ralf Kötters sind ein Plädoyer für eine leidenschaftliche Kirche, die eine leidenschaftliche Gesellschaft inspiriert.

Am Beispiel seiner eigenen Gemeinde machte er deutlich, dass Kirchengemeinden sehr erfolgreich mit anderen Sozialpartnern, Kommunen, Verbänden, Vereinen und diakonischen Einrichtungen zusammenarbeiten können.

„Mit anderen um andere kümmern“

Das derzeitige theologische Denken in der Kirche sei vielfach noch geprägt vom Vereinsdenken des 19. Jahrhunderts und von den Grundformen der damals richtigen Abgrenzung im 20. Jahrhundert. Die Situation habe sich aber grundlegend verändert. Heute hätte sich die Kirche in eine offene, multikulturelle Gesellschaft einzubringen.

 „Wir müssen weg von unserem Binnendenken. Wir müssen uns mit anderen um andere kümmern.“ Es gelte zu fragen, „was die Menschen brauchen, nicht die Menschen passend zu machen für unsere Gremien und Strukturen“.

Wie diese Impulse in den Kirchengemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises  umgesetzt werden können, war Thema in Arbeitsgruppen zu acht Themenfeldern: Standortsbestimmung, Reflexion eigener Strategien, Selbstverständnis des Pfarrdienstes, Ehrenamt, Zusammenarbeit mit der Diakonie des Kirchenkreises, Kooperation mit anderen Akteuren, konkrete Herausforderungen im Raum sowie Gespräch mit anderen Religionen.

Dabei wurde unter anderem deutlich, dass der Spagat zwischen einer Pfarrerzentriertheit, die bei vielen Gemeindegliedern noch vorhanden sei, und dem kreativen Freiraum von Ehrenamtlichen noch eingeübt werden muss. Ehrenamtliche müssten fürsorglich begleitet und persönlich bereichernd fortgebildet werden.

Die Gemeinden sollen keine Vereinsmeierei betreiben, sondern echte Heimat bieten. Als Beispiel eines positiven Hinausgehens in die Gesellschaft wurde ein Gottesdienst mit der Feuerwehr in Gummersbach genannt. Vergrößerungen von Gemeinden durch Fusion seien durchaus auch eine Chance. In der Diakonie bleiben neben dem professionellen Austausch die persönlichen Kontakte wichtig. Die Diakonie sei in der Lage, Versorgungsketten zu planen und den Menschen konkret in ihrem Alltag zu helfen. Beispiel waren die Rettungsdosen der Diakoniestation Nümbrecht, die in Zusammenarbeit mit den Gemeindewerken weitergegeben werden.

Bitter sei die Erkenntnis, dass Teile der Gesellschaft kaum noch etwas oder gar nichts von der Kirche erwarten. Das auszuhalten und trotzdem für die Menschen da zu sein, sei wichtige Aufgabe von kirchlichen Anbietern wie etwa der Telefonseelsorge. Auch im Kontakt mit anderen Religionen gelte es, Allianzen zu schmieden, einladend zu leben und als Christen erkennbar zu sein. „Unser Gottesdienst besteht in tätiger Nächstenliebe“, sagte Dr. Dennis Schönberger, Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch.

Die Ergebnisse der Workshops sollen in den Ausschüssen des Kirchenkreises und im Kreissynodalvorstand weiter bearbeitet werden

Kooperationsräume auf dem Prüfstand

Eines der Workshop-Ergebnisse war die Erkenntnis: Strukturprozesse, die aus der Mitte des Kirchenkreises kommen, hätten bisher gut funktioniert. So seien die Kooperationsraumprozesse im Kirchenkreis zukunftsweisend für die ganze Landeskirche geworden. 2009 waren die Kirchengemeinden des Kirchenkreises in elf Kooperationsräume aufgeteilt worden.

Die Kooperationsräume waren dann auch ein weiteres Synodenthema: Angesichts knapper werdender Personalressourcen in den 20-er Jahren soll die  Arbeit in den bisher elf Kooperationsräumen überprüft werden. Dazu bietet der Kirchenkreis im Frühjahr 2018 drei Informationsveranstaltungen an (am 8. und 22. März und am 19. April). Die Leitungsgremien der Kirchengemeinden können sich informieren über Perspektiven der künftigen Versorgung mit Pfarrstellen und Mitarbeitendenstellen sowie die demographische und finanzielle Entwicklung. So wird es voraussichtlich zu einer deutlichen Reduzierung der derzeitigen Pfarrstellen kommen.

Die Notwendigkeit, wesentlich intensiver als bisher innerhalb der Kooperationsräume zusammenzuarbeiten, führt auch zu einer abgestimmten Personalplanung zwischen den Kirchengemeinden. Anhand der verabschiedeten Personalplanungssatzung des Kirchenkreises sollen in allen Kooperationsräumen Personalausschüsse gebildet werden, um jeweils Personalkonzepte für diese Zusammenarbeit zu erarbeiten.

Superintendent Jürgen Knabe bedankte sich bei den Synodalen für ihr intensives Arbeiten mit dem Ziel, die Kirche bereits jetzt auf die Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten einzustellen. „Der Auftrag der Kirche bleibt nach wie vor, die frohmachende Botschaft des Evangeliums in Wort und Tat zu leben.“

Am Nachmittag wurde der Haushalt 2018 beschlossen, den Verwaltungsleiter Thomas Hildner vorstellte.  Außerdem wurde Jürgen Knabe zum Vorsitzenden des neuen Kirchensteuerverteilungsausschusses gewählt, den stellvertretenden Vorsitz hat Ute Hucklenbroich inne. Sabine Rannacher aus der Kirchengemeinde Engelskirchen ist neue Vorsitzende im Ausschuss für Erziehung und Unterricht. Neu konstituiert hat sich der Verwaltungsfachausschuss mit Vertretern aus allen Kirchengemeinden mit Ekkehard Giehl als Vorsitzendem, Stellvertreter wurde Pfarrer Thomas Marhöfer aus der Gemeinde Im oberen Wiehltal. Von der Synode verabschiedet wurde Pfarrer Aurel Everling aus Dieringhausen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

Die nächsten Kreissynoden finden am 6. Juli und am 16./17. November 2018 statt. 

www.ekagger.de | jth | Text: Judith Thies | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/J. Thies/V.Marzinski

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