Zum Inhalt springen

Diakoniegottesdienst: Hilfe für Flüchtlinge bereichert

| Diakonie

Die Flüchtlingsberatungsstelle des Kirchenkreises An der Agger war in der Kirchengemeinde Derschlag zu Gast.

Masoud Suleiman singt auf Kurdisch sehnsüchtig von schönen Dingen: von Liebe, Glück und seiner Mutter, von allen Müttern, aber auch von Krieg und Trauer. Auf seiner Tambur, einer kurdischen Langhalslaute, spielt er dazu. Er stammt aus Syrien und musste fliehen: Weil er sich für Demokratie einsetzte, drohte ihm die Verhaftung. Inzwischen hat er eine Ausbildung als Interkultureller Berater absolviert und arbeitet derzeit im Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel. Im Diakoniegottesdienst in Derschlag, den er mit seiner Musik bereicherte, wurde er herzlich von Presbyter Axel Johanßen begrüßt.  

Pfarrer Ulrich Kräuter bedankte sich bei Masoud Suleiman und erklärte der Gemeinde: „Falls Sie sich wundern, dass wir diese arabisch klingende Musik in einem christlichen Gottesdienst hören: Ich glaube, das ist die Musik, die Jesus und seine Eltern auf der Flucht nach Ägypten im Ohr hatten. Man denkt ja immer, Jesus hätte Bach gehört, aber dem war nicht so.“

Pfarrer Dr. Sándor Károly Molnár führte durch diesen eindrücklichen Gottesdienst, der die Flüchtlingsthematik begreifbar machte. In der Kirche sind Teile der Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“  der Organisation Pro Asyl ausgestellt.

Ruth Brücher hat die Flüchtlingsarbeit mitbegründet

Die Kirchengemeinde Derschlag war der Flüchtlingsarbeit auf Kirchenkreisebene von Anfang an verbunden. Die Flüchtlingsberatungsstelle gibt es nun seit 33 Jahren. Die verstorbene Derschlager Pastorin Ruth Brücher, im Kirchenkreis damals synodale Diakoniebeauftragte, war 1987 maßgeblich an der Gründung beteiligt. Auf der Herbstsynode 1986 hatte sie mit anderen Synodalen erfolgreich den Antrag gestellt,eine Beratungsstelle für ausländische Flüchtlinge einzurichten.

Die aktuellen Schwerpunkte der Arbeit erläuterten Belma Hadžerić, Leiterin der Beratungsstelle, und Mitarbeiterin Christine Althöfer. 628 Klienten wurde von September 2018 bis September 2019 betreut, die meisten stammen aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea, Guinea, Somalia. Schwerpunkt der Arbeit ist nach wie vor die Einzelfallberatung.

Die Mitarbeitenden sprechen Englisch, Französisch, Arabisch, Kurdisch, Bosnisch und Deutsch. Sie  kümmern sich um die rechtlichen Aspekte der Fälle, aber auch um alltägliche Probleme wie die schwierige Wohnungssuche. Auch in der Flüchtlingshilfe tätige Ehrenamtliche werden beraten und begleitet. Positiv sei die unverändert große Bereitschaft bei den Oberbergern zu helfen. „Das ist nicht ständig im Fokus der Medien, aber das ist immer noch so“, bestätigte Belma Hadžerić.

"Die Chemie hat sofort gestimmt"

Aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit berichtete das Ehepaar Ingrid und Rudolph Krapoth aus Engelskirchen, die kürzlich mit dem Ehrenamtspreis der Kommune ausgezeichnet wurden. Seit den Neunzigerjahren haben sie Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen. Für die ersten Flüchtlinge räumten die Kinder ihre Zimmer frei, später bauten sie eine Wohnung aus. Seit 2015 wohnt ein iranisches Ehepaar bei ihnen. „Wir kannten uns gerade zehn Minuten, da haben wir ihnen die Wohnung angeboten. Die Chemie hat einfach sofort gestimmt.“ Die Untermieter sind sozial und beruflich voll integriert, beide sprechen sehr gut Deutsch. Sie singt im Kirchenchor, und er wird ab dem 1. März im Presbyterium der Kirchengemeinde Ründeroth mitarbeiten.

"Ein mutiger Held"

Diakoniepfarrer Thomas Ruffler sprach in seiner Predigt über den Weihnachtsfrieden, der so schnell nach Jesu Geburt vorbei ist. Herodes lässt Kinder ermorden, Familie müssen flüchten, auch Josef mit seiner Frau und dem Säugling. In der Bibel bleibe die Figur des Josef eher blass, dabei werde er auf der Flucht zum mutigen Helden, der seine Frau, die gerade entbunden hat, und das Baby, das noch gestillt werden muss, begleitet und beschützt. „Die drei beißen sich durch.“ Das sei eigentlich Stoff für einen packenden Film. „Aber diesen Film braucht man nicht zu drehen. Er läuft ständig auf den Leinwänden der Weltgeschichte.“

www.ekagger.de | jth | Text: Judith Thies | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/J.Thies

Zurück
k-P1220415.JPG
Den Diakoniegottesdienst gestalteten (v.li.) Masoud Suleiman, Belma Hadzeric, Christine Althöfer, Ingrid Krapoth, Rudolph Krapoth, Pfarrer Dr. Sándor Károly Molnár und Diakoniepfarrer Thomas Ruffler. (Bild zum Vergrößern anklicken.)
k-P1220400.JPG
Masoud Suleiman spielte auf seiner kurdischen Tambur.
k-P1220412.JPG
Er hat seine Frau und sein Kind seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Seine Trauer und seine Hoffnung verarbeitet er in der Musik.
k-P1220408.JPG
Ingrid und Rudolph Krapoth setzen sich seit 30 Jahren ehrenamtlich für geflüchtete Menschen ein und arbeiten eng mit der Beratungsstelle zusammen.
k-P1220403.JPG
Belma Hadzeric leitet die Beratungsstelle seit 2016.
k-P1220397.JPG
Diakoniepfarrer Thomas Ruffler sprach in seiner Predigt über Fluchtgeschichten in der Bibel und heute.