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Chorarbeit: Alles auf Abstand

| Aktuell

Ohne Chorprobe für Konzerte üben? Oder für einen Gottesdienst? Für Chöre ist dies derzeit noch nicht oder nur sehr eingeschränkt wieder möglich. Dabei standen so einige Konzerte und Auftritte in Gottesdiensten an für dieses Jahr.

Kreiskantorin Dr. Annemarie Sirrenberg probt mittlerweile wieder. Aber ganz anders als sonst. „Wir müssen uns an das strenge Hygienekonzept halten“, betont sie. Das besagt, dass aufgrund des größeren Bewegungsradius und des größeren Aerosolausstoßes beim Singen und Musizieren bei Proben ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen Personen sicherzustellen ist sowie eine Raumgröße von mindestens zehn Quadratmetern pro Person; Zuschauern ist der Zutritt zu den Proberäumen zu verwehren. Beim Singen ist ein Abstand von drei Metern zwischen Personen und von vier Metern in Ausstoßrichtung sicherzustellen.

Das schreibt die Übersicht über die rechtliche Zulässigkeit in den einzelnen Bundesländern auf dem Gebiet der EKiR vor. So probt die Kreiskantorin mit ihren Chören in Bergneustadt immer nur mit zwölf Sängern gleichzeitig in dem 170 Quadratmeter großen Gemeindesaal der Altstadtkirche. Das klappt bei der „Kantorei Bergneustadt“ dann in vier Gruppen. „Es ist eine besondere Zeit – die Proben anders als sonst“, sagt Anne Sirrenberg. „Ich versuche es positiv zu sehen. Ein schöner großer Chor ist toll, aber in den kleineren Gruppen kann ich Einzelne besser wahrnehmen.“

Allerdings sind nicht alle Chormitglieder mit dabei. Das liege auch daran, dass es Studien gebe, die einerseits bescheinigen, dass Singen nicht gefährlicher sei als Sprechen, und andererseits gewarnt wird. Dies halte manchen von der Probe ab, bedauert Sirrenberg.

Neben dem Abstand sind weitere geeignete Vorkehrungen zur Hygiene in den Proben notwendig. So die ständige gute Durchlüftung von Innenräumen. Bei den Bläsern sind die Auflagen ähnlich. „Die Bläser müssen ihr Instrument vermummen bei Probe“, erklärt die Kantorin, das heißt als Schutz wird ein dicht gewebtes Tuch verwendet. In Bergneustadt wird der Bläserkreis das Anfang geplante Konzert in der Altstadtkirche als Open-Air-Konzert durchführen, denn ansonsten wäre kein Platz für die Zuschauer beim Konzert möglich gewesen.

5. Juli in Waldbröl: 100 Jahre Oberbergische Posaunenvereinigung

Im Oberbergischen spielen derzeit viele Bläser von ihren Balkonen oder erfreuen die Bewohner der Dörfer im Umland mit abendlichen Open-Air-Proben, wie der Posaunenchor Remperg vor wenigen Tagen. Insgesamt 20 Posaunenchöre umfasst die 1920 gegründete Oberbergische Posaunenvereinigung (OPV) auf dem Gebiet des Kirchenkreises An der Agger. 100 Jahre besteht die OPV nun – ein Grund zu feiern.

Doch: Musikfeste, Festivals und ähnliche Kulturveranstaltungen sind bis mindestens zum 31. Oktober 2020 untersagt. „Die Probenarbeit für ein derart großes Fest mit entsprechendem Festprogramm ist im erforderlichen Maß zu den jetzigen Voraussetzungen einfach nicht möglich“, bedauert Beate Ising, Vorsitzende der OPV, und leider sei auch nicht absehbar, wann ein Musikfest dieser Größenordnung unter den geltenden Bedingungen in diesem Jahr stattfinden könne und durchführbar wäre. „Deshalb laden wir herzlich zum Bläserfest 100 plus 1 unter dem Motto „KOMMT!“ für den 4. Juli 2021 wieder in die „Gründungsstadt“ der OPV nach Waldbröl ein“, kündigt Ising an.  Damit das Jubiläum in diesem Jahr nicht sang- und klanglos vorübergeht, hat die Gemeinde Waldbröl die OPV in die Gottesdienste eingeladen:  Am 5. Juli gestaltet die OPV mit einigen Bläsern die beiden Sonntagsgottesdienste mit, um 10.30 und um 18 Uhr.

Gemeinsames Chorsingen per WhatsApp

Auch Chorleiter müssen sich Neues einfallen lassen. Im Gottesdienst ist das Singen nicht erlaubt. Christel Schelle, die in der Kirchengemeinde Ründeroth und Schnellenbach als Kirchenmusikerin arbeitet, kann deshalb nicht mit ihren Chören proben und auftreten. Aber sie hat beispielsweise per WhatsApp Lieder mit Pianobegleitung an die „Young Voices“ und die „Joyful Singers“ verschickt. Die Sänger haben dann die Stimme per Kopfhörer angehört und mit einem zweiten Handy ihre Stimme aufgenommen.

Die rund 25 Stimmen hat Christel Schelle zusammen geschnitten für den Gottesdienst, was nicht nur vor Ort in der Kirche, sondern auch als Audio-Datei online zu hören war und noch weiterhin abrufbar ist. „240 Orgelstücke habe ich zudem in den Jahren aufgenommen, was jetzt gut nutzbar ist“, sagt sie. Ansonsten werden Wunschlieder aufgenommen und teilweise von ihr oder einzelnen Sängerinnen und Sängern aus den Chören eingesungen.

Als Schlager der Advents- und Weihnachtszeit gilt Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Das hatte Waldbröls Kantor Pascal Salzmann für Mitte Dezember 2020 geplant. „Noch ist nichts abgesagt“, betont er, aber Proben hat Salzmann ab 11. August eingeplant – unter den vorgegebenen Auflagen. „Ob und wie es nun stattfindet ist noch nicht klar“, sagt er. Denn Konzerte und Aufführungen mit mehr als 100 Zuschauern sind auf der Grundlage eines besonderen Hygiene-und Infektionsschutzkonzeptes nach § 2b zulässig, das mindestens die vorstehenden Maßgaben absichert. Bei Aufführungen mit Sprechtheater, Musik mit Blasinstrumenten oder Gesangmuss der Abstand zwischen Publikum und Bühne mindestens drei Meter betragen.

Viele Sängerinnen und Sänger aus Chören vermissen die Gemeinschaft und auch das Singen. Singen macht gute Laune, und gemeinsame Ziele verbinden. So ein Ziel ist oft ein Konzert und dafür muss geübt werden, denn die Stimme ist wie ein Instrument. Man muss dranbleiben und üben. Proben mit Abstand? Raumgröße und die Aufstellungsart eines Chores sind da kaum einzuschränken oder anders zu handhaben. In der derzeitigen Situation müssen Maßnahmen zur Wiederbelebung der Chorarbeit sorgfältig abgewogen werden.

Die Möglichkeit, einzelne Elemente aus der Probenarbeit mithilfe digitaler Medien durchzuführen, lassen sich einfach schaffen. Auch wenn sich damit sicherlich nicht alle Chormitglieder erreichen lassen, so entsteht dennoch Kontakt und somit Kommunikation.

www.ekagger.de | jth | Fotos: Vera Marzinski

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Dr. Annemarie Sirrenberg probt mit Mitgliedern ihres Gospelchors.
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Mit Abstand funktioniert auch die wichtige Chorarbeit im Kirchenkreis.