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Andacht: Die ganze Welt in seiner Hand

| Andacht

Die Erde ist voll der Güte des Herrn (Psalm 33,5). Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben (Johannes 10,11a.27-28a). Eine Andacht von Vera Gast-Keller

„Die Erde ist voll der Güte des Herrn“: Der Wochenspruch für den zweiten Sonntag nach Ostern will mir nur schwer über die Lippen kommen beim Blick auf die Zahl der weltweit an dem Corona-Virus  Erkrankten und Verstorbenen. Ist diese Erde nicht voll Leid und Tod? Voll unsicherem  und bangem Fragen all derer, die sich um ihre Existenz und Zukunft sorgen?

Es tut gut, in dieser Unsicherheit auch andere Stimmen in sich zu hören, etwa die des Spirituals „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“. Ich erinnere mich an dieses Lied aus dem Kindergottesdienst und an die erste Platte des legendären britischen Sängers Laurie London, der als 13-Jähriger 1957 mit „He‘s got the whole world in His hands“ dieses Lied weltweit zu einem riesigen Erfolg machte.

In diesen Tagen geht mir das Lied immer wieder durch den Sinn. Ich sehe Kinder, die die schwungvolle Melodie und den verständlichen Text mit Bewegungen begleiten, den großen Erdball formen, auf sich selbst und andere zeigen, und ich hoffe, dass es tief in ihnen schwingt.

Die wichtigste Botschaft

Gott hält die ganze Welt in seiner Hand – ein eingängiges Bild. Für manchen klingt es vielleicht ein wenig naiv. Was soll das heißen – angesichts von Kriegen wie in Syrien oder einem Virus, das wir nicht kontrollieren können? Aber es ist eine Glaubensaussage, und in den einfachen Strophen steckt ganz viel: eigentlich die wichtigste Botschaft der biblischen Schöpfungsgeschichten!

Gott hält die ganze Welt in seiner Hand. Er hat sie geschaffen und erhält sie – uns alle, die Großen und die Kleinen, die Gesunden und die Kranken, die Glaubenden und die Zweifelnden, die Erfolgreichen und die Suchenden. So wenig wie der Virus Halt macht vor Ländergrenzen, tut es Gottes Liebe auch nicht.

Ein anderer Blick auf unsere Welt und unser Leben

Gott hat uns viele Möglichkeiten gegeben, auch in der medizinischen Forschung, die wir miteinander um den ganzen Globus verantwortlich teilen und nicht gegeneinander ausspielen sollen. Wir sind alle abhängig voneinander, stehen aber auch miteinander in Gottes Hand. Diese Zeit lehrt mich, die Chancen und Risiken der Globalisierung neu zu verstehen.

In dieser Zeit, in der wir uns selbst oft als ohnmächtig empfinden, ist es gut, einen anderen Blick auf unsere Welt und unser Leben zu werfen. Wir sind gehalten und zusammengehalten, in dem, was dieses einfache Bild der Hand Gottes zeigt, im Miteinander der Gemeinschaft, im Sorgen füreinander, in der Beziehung zu Gott.

Viele Erfahrungen davon haben wir in den letzten Wochen machen können: Lebenserfahrungen, Glaubenserfahrungen, eine andere Gemeinschaft ist möglich.

In diesen österlichen Wochen schauen wir in besonderer Weise auf Jesus Christus, dessen letzte Worte waren: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“ (Lukas 23,46)! In diesen Händen war sein Leben geborgen und wurde zu ewigem Leben auferweckt. Wir gewinnen durch ihn eine Lebensperspektive. So können wir froh mit den Worten des alten Psalms sagen: „Die Erde ist voll der Güte des Herrn.“

Unseren Geschwistern in der weltweiten Kirche stehe bei

Schon jetzt freue ich mich darauf, wieder in einer gottesdienstlichen Gemeinde zu singen: „Er hält die ganze Welt in seiner Hand.“ Bis das sein wird, höre ich Laurie London auf YouTube und freue mich daran. Dazu lade ich alle ein und zum Gebet:

Gütiger, barmherziger Gott,
halte deine segnende und heilende Hand
über uns und dieser Welt.
Schenke uns Weisheit, Vertrauen, Hoffnung und Liebe
in einer Zeit, die deine Nähe so sehr braucht.
Lass unser Vertrauen zu dir wachsen
und stärke die Verbundenheit untereinander.
Richte die Kranken auf.
Mache die Herzen der Einsamen leicht.
Gib den Verantwortungsträgern Weisheit und Mut.
Stärke die Frauen und Männer im medizinischen Dienst.
Unseren Geschwistern in der weltweiten Kirche stehe bei.
Uns allen schenke Ideen, unserer Verbundenheit Ausdruck zu geben.

Amen

Vera Gast-Kellert, Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde Gummersbach

Evangelischer Kirchenkreis An der Agger,  ekagger.de | jth | Fotos: privat

 

 

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Vera Gast-Kellert besuchte das Volk der Kogi in Kolumbien. Die Kogi leben hoch in den Bergen nahe der karibischen Küste und bilden dort eine christliche Gemeinde. Die Bergregion, in der sie leben, nennen sie das "Herz der Erde" und sich selbst "Hüter des Herzens der Erde".
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Sehr beeindruckend und spannend findet Vera Gast-Kellert (2.v.re) die Kogi. Sie seien in die Fänge der Drogenmafia geraten und von ihrem Land vertrieben wurden, hätten aber dann viel Hilfe erfahren, erzählt sie. Gott hielt sie in seinen Händen.