Zum Inhalt springen

Miriam Küllmer-Vogt als Katharina von Bora sprühte vor Lebenslust.

Selbstbewusst konnte sie Luther auch die Meinung sagen und über den Glauben streiten.

Superintendent Jürgen Knabe bedankte sich für den mitreißenden Musical-Vortrag.

Macht die Kirche noch das, wofür sie da ist? Autor Dr. Fabian Vogt gab theologische Impulse für die Zukunft der Kirche.

Die Reaktionen aus dem Publikum zu den Thesen gab Dr. Wolfgang Becker weiter. Mit Vogt war er sich einig: Die Bibel hat Antworten auf heutige Fragen.

In einem Interview stellte Pfarrer Aurel Everling Miriam Küllmer-Vogt vor.

Jeweils zwei Apfelbäume bekommen die Kirchengemeinden vom Kirchenkreis geschenkt. Sponsor ist der Naturpark Bergisches Land.

Alle zwei Jahre kommen die Gemeindeleitungen im Kirchenkreis zum Abend der Presbyterien zusammen - eine gelungene Gemeinschaft.

Das Reformationsjahr 2017 hat im Kirchenkreis An der Agger mit einem begeisternden „Abend der Presbyterien“ kurz vor dem Reformationstag begonnen.

 

Superintendent Jürgen Knabe begrüßte in der voll besetzten Wiehltalhalle die Leitungen der Kirchengemeinden zu einem kurzweiligen Abend mit Musik und neuen Thesen zur Zukunft der Kirche.

Ein Höhepunkt des Abends war das Kammer-Musical „Wenn Engel lachen. Die unverhoffte Liebesgeschichte der Katharina von Bora“. Die Theologin und Sängerin Miriam Küllmer-Vogt brachte den Text ihres Mannes Fabian Vogt mitreißend auf die Bühne. Energiegeladen sauste sie als 25-jährige, eigenwillige Katharina von Bora über die Bühne und in das Leben und Herz des ehrenwerten Professors Martin Luther hinein.  

Ein leerer Stuhl reichte Miriam Küllmer-Vogt, um Martin Luther als Gegenüber lebendig werden zu lassen. „Ich kann wieder glauben, dass Gott es gut mit mir meint“, singt sie nach ihrer Flucht aus dem Kloster. Das Publikum wurde Zeuge ihrer Lebenslust und ihrer Glaubensstärke: „Manchmal habe ich das Gefühl, in mir ist viel mehr Glaube als in Luther. “

Nach historisch verbrieften Liebenswirren ist ihr Herz am Schluss mit Liebe für Luther gefüllt.  Sie singt: „Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“

Wohin führt der Weg der Kirche heute?

Der Wunsch nach Freiheit und der Glaubensdurst der Katharina von Bora kommen auch in den theologischen Impulsen des Theologen Dr. Fabian Vogt zum Ausdruck. 500 Jahre Reformation sind für den Kirchenkreis  Anlass zum Ausblick: „Wohin führt der Weg der Kirche heute?“, fragte Pfarrer Aurel Everling in seinem Interview mit Vogt, der zugleich Pfarrer, Schriftsteller und Kabarettist ist.

Dieser stellte eine Auswahl seiner 95 neuen Thesen vor. Darin stellt er Selbstverständliches in Frage:  „Die Menschen sagen uns Theologen: Am Ende der Woche brauchen wir Eure Unterstützung. Aber kann das nicht am Sonntag zwischen 17 und 19 Uhr sein?“ Wer in Deutschland Gott wolle, müsse offenbar Orgel, Talar und Sonntagmorgen wollen.

Vogt warnte auf charmante Art davor, Inhalte hinter Ritualen verschwinden zu lassen. Menschen erhofften sich laut Umfragen vom Gottesdienst nichts so sehr wie den Segen, sagte der Frankfurter. „Aber dass sie den in der hessischen Liturgie sechsmal während des Gottesdienstes  bekommen, kriegen sie gar nicht mit.“ 

Kernkompetenz der Kirche: von Gott reden

Den Menschen heute sei nicht mehr bewusst, warum es gut und schön ist, die Bibel auszulegen. Deshalb  sei es Kernaufgabe der Kirche, mehr von Gott zu reden ("Das ist ihre Kernkompetenz!") und den Menschen beizubringen, aus der Liebe heraus zu leben. “ Zentrale Frage an die Kirche sei, sagte Vogt: „Hilft das, was wir tun, den Menschen, das Evangelium und die Liebe Gottes zu begreifen?“

Drei Fragen gab er den Gemeinden mit auf den Weg: “Macht Kirche noch das, wozu sie da ist? Wenn ja, warum fällt es ihr dann so schwer, die Menschen für die Schönheit des Glaubens zu begeistern? Wenn nein, was sollte sie anders machen?“

Pfarrer Dr. Wolfgang Becker aus Nümbrecht  moderierte eine kleine Diskussionsrunde mit Vogt: Den Thesen könnten die Presbyter größtenteils zustimmen und viele der Anregungen fänden sich in den Gottesdiensten bereits wieder. In den Gemeinden gebe es lebendige Gottesdienste in unterschiedlichen Formen. Einig waren Becker und Vogt sich darin, dass die Bibel Antworten auf heutige Fragen habe und es sich lohne, immer wieder von Gott zu reden.

Wertvolle Apfelbäume für die Gemeinden

Die Bühne in der Wiehltalhalle war von hochstämmigen Apfelbäumen gesäumt. Zwei Stück soll jede Gemeinde und der Kirchenkreis bekommen. Apfelbäume sind ein Symbol der Hoffnung, frei nach dem Luther zugesprochenen Zitat: „Wenn ich wüsste, das morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Die alten Sorten - von Bäumchensapfel über Winter-Rabaue und Seidenhemdchen bis zum Paafenapfel - sollen in den Gemeinden heimisch werden und mit Schildern versehen an 500 Jahre Reformation erinnern. 

Gesponsert hat die Bäume der Naturpark Bergisches Land. Dessen Geschäftsführer  Theo Boxberg warb dafür, mit dem Baum ein Stück Heimat weiterzugeben. Peter Schmidt, Landwirt und Synodalbeauftragter für Umwelt des Kirchenkreises, wird den ersten Pflanzenschnitt übernehmen und kündigte an, dass es eine Apfelbaum-Landkarte geben soll, damit man später die Reformationsbäume besuchen kann.

Der Presbyterabend, der alle zwei Jahre stattfindet, ist  ein Dankeschön an die ehrenamtlich tätigen Gemeindeleitungen. Superintendent Jürgen Knabe bedankte sich beim Team des Gemeindeaufbauprojekts „Im Aufbruch“, das den Abend vorbereitet hatte. Aufbruch-Mitglied Pfarrer Kai Berger aus der Kirchengemeinde Müllenbach-Marienheide hatte den Kontakt zum Theologen- und Künstlerehepaar Fabian Vogt und Miriam Küllmer-Vogt hergestellt.

 

Gottesdienste am Reformationstag

Als nächste Veranstaltungen im Reformationsjahr stehen Gottesdienste am Reformationstag an, u.a.:

Nümbrecht: Im Ev. Gemeindehaus beginnt um 19 Uhr ein Gottesdienst zur Reformation. Prediger ist Pfarrer Dr. Wolfgang Becker. Mit dem Nümbrechter Gospelchor "Sound of joy".

Waldbröl: Am Montag, 31. Oktober, 19 Uhr, findet in der evangelischen Kirche Waldbröl ein Reformationsgottesdienst statt, bei der auch eine neue Plakatausstellung zur Reformation aus der Mediothek des Kirchenkreises gezeigt wird.

Windeck: In der evangelischen Kirche in Windeck-Oettershagen, Alte Dorfschule 1, in der Evangelischen Kirchengemeinde Rosbach, beginnt ebenfalls um 19 Uhr ein Gottesdienst zur Reformation. Pfarrer Walter Pollmann freut sich, eine Lutherbibel aus dem Jahr 1555 präsentieren zu können.

 

 

Bergneustadt: Die Evangelische Kirchengemeinde Bergneustadt lädt ein zur ChurchNight am  Montag, 31. Oktober, 19 bis 21 Uhr im GemeindeCentrum Hackenberg, Breslauer Str. 20a. Die ChurchNight ist ein interaktiver Jugendgottesdienst mit Talkgästen, der Band Flying Mountains aus der Kirchengemeinde und einer Predigt, „einer coolen Message“, von Tanja Worth (CVJM-Westbund).

Medienecho

"Presbyterabend in Wiehl. Kirchenkreis eröffnet das Lutherjahr", Oberbergische Volkszeitung/Oberbergischer Anzeiger, 31.10.2016

"Luther würde ein Apfelbäumchen pflanzen", Oberberg Aktuell, 31.10.2016

 

www.ekagger.de | jth | Text: Judith Thies | Fotos: Ev. Kirchenkreis An der Agger / Marzinski (3), Schmittgen (2), Thies