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ANDACHT Bewerbungsgespräche

„Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden.“Hesekiel 2,1.Eine Andacht von Diakoniepfarrer und Assessor Thomas Ruffler

Wenn Gott Bewerbungsgespräche führen würde, sie würden komplett von dem abweichen, was wir normalerweise damit verbinden.

Wenn jemand in einer solchen Situation nicht auf seine Stärken, sondern auf seine Schwächen setzt  – wie beim Apostel Paulus – wir würden ihm wahrscheinlich ein gutes Coaching empfehlen.

Gott führt sehr merkwürdige Bewerbungsgespräche, zu denen er Leute einlädt, die selber nicht auf die Idee kommen würden, sich bei ihm zu melden und zu bewerben. Das zieht sich fast bei allen Berufungsgeschichten in der Bibel wie ein roter Faden durch. Dazu kommt, dass auch noch das soziale Umfeld der Berufenen so seine Zweifel hat, was die Eignung betrifft.

Sehr deutlich wird das bei Jesus im Markusevangelium: „Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände? Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon?“ (Markus 6, 2-3a)

Man spürt zwar, dass da einer sehr kompetent spricht und handelt, aber dem Handwerkersohn traut man das eigentlich nicht zu. Er hat ja nicht einmal studiert. Und außerdem scheint man besser als Gott zu wissen, wen man für geeignet hält und wen nicht.

In der Tat können bei solchen Maßstäben, die Menschen anlegen, die Schwächen eines so Berufenen schnell zum Problem werden. Oft sogar für den Berufenen selber auch.

Wie man bei Hesekiel sieht, kommt man bei Gott mit bloßer Unterwürfigkeit nicht weit, im Gegenteil. Gott stellt Menschen immer auf ihre Füße, um mit ihnen auf Augenhöhe und in Würde zu sprechen.

Der kluge Theologe Paulus hatte mit sich ein Problem: Er wollte diese Schwäche loswerden. Aber Gott erlaubte es nicht mit der Bemerkung: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9). Was für eine Antwort!

Das brauchen wir immer, ein Leben lang

Die erlebte Schwachheit verhindert vermutlich die Versuchung zum Hochmut und zur Überheblichkeit und macht Platz für das, was Gott wirken möchte. Daraufhin macht Paulus sozusagen „den Bock zum Gärtner“ und will sich seiner Schwachheit, seiner Ängste und Ohnmächte rühmen, also all dessen, wovor wir gewöhnlich weglaufen und was wir so fürchten, wie „der Teufel das Weihwasser“.

Paulus nimmt also seine Grenzerfahrungen an und baut nicht auf seine, sondern auf die göttliche Kraft. Berufung hin oder her: Was könnte uns das alles sagen? Vielleicht dies: Bejaht mit Gottes Hilfe euer Menschsein! Lebt aus der göttlichen und eurer Erlaubnis, unvollkommen und nicht perfekte Menschen zu sein! 

Das ist doch eine Sendung, die uns menschlicher und vielleicht auch entspannter macht, aber nicht nur uns, sondern auch die, mit denen wir leben. Wie sagte mal jemand: „Mach’s wie Gott, werde Mensch!“

Das brauchen wir immer, ein Leben lang. Das braucht die Kirche, die Gesellschaft, in der wir leben, das brauchen unsere Mitgeschöpfe, das braucht unsere Welt. Und dazu sind wir alle von Gott berufen.

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Pfarrer Thomas Ruffler, Kirchengemeinde Klaswipper

 

www.ekagger.de | jth | Foto: Thomas Ruffler

 

Thomas Ruffler hat ein Detail aus dem Westfenster des Altenberger Doms fotografiert. Seine Titelidee: „Es ist noch Raum da für Gottes Berufung.“