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ANDACHT Zur Friedensethik: „So einen Glauben hab‘ ich noch nie gesehn“. Von Hans-Georg Pflümer

Zum Wechsel im Verteidigungsminsterium hat Pfarrer Hans-Georg Pflümer, Schulpfarrer am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wiehl, mit seinen Schülerinnen und Schülern gesprochen und eine Andacht zu Vers Matthäus 8, 5-13 geschrieben

Als Jesu nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen. Und der Hauptmann antwortete: Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund!

Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem "Geh!", so geht er, und zu einem andern "Komm!", so kommt er, und zu meinem Diener  "Tu das!", so tut er es. Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden. (…) Und zum Hauptmann sagte Jesus: "Geh! Es soll dir geschehen, wie du geglaubt hast."

Und in derselben Stunde wurde sein Diener gesund. (Matthäus 8, 5-13)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in dieser Woche, in der wir einen neuen Verteidigungsminister bekommen, ist das Evangelium eine Geschichte von einem Militär und gleich zwei militärischen Tugenden: ein Hauptmann, Gehorsam und Unterordnung. So militärisch, dass selbst Jesus verwundert ausruft: „So einen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden.“

Ganz Militär ist der fremde Hauptmann. "Geh!", sagt er normalerweise. "Kommt!", sagt er dann im Befehlston. Und den Rang eines anderen taxieren, das hat er von der Pique auf gelernt. "Ich bin unter Dir", sagt er zu Jesus, "du bist der Kommandeur". Die Jünger, die die Geschichte am Rande mithören, beginnen zu feixen. Oberst Jesus, Rabbi-General. Wie witzig das klingt!

Unser hackenschlagender Hauptmann zeigt aber auch eine andere Seite, seine menschliche Seite: Er ist in tiefer Sorge um seinen Diener. Das ist mehr als dienstliche Sorge, da ist Mitleid, Sympathie, wie gesagt: tiefe, ernste, echte Sorge um ihn.

Zu dem ganzen militärischen Gehabe des Hauptmanns sagt Jesus nichts. Nur: „So einen Glauben hab‘ ich in Israel nie gefunden.“ Aber er macht sich seine Sorge zu Eigen und schickt ihn zu seinem Diener. Und der wurde gesund. Und die Moral: vielleicht ein bisschen einfach, aber einleuchtend, wenn es einen neuen Verteidigungsminister gibt in Zeiten des Krieges.

Bei aller militärischen Logik, bei all den Panzern die jeden Abend über die Fernsehschirme rattern, mal von links nach rechts und mal von rechts nach links. Aber auch bei all dem Leid, das die russische Aggression auslöst in der Ukraine und auch bei den eigenen Leuten, bei all dem Säbelrasseln.

Das was eigentlich zählt, ist die Sorge um den Diener, um den Anderen, biblisch: um den Nächsten. Die Sorge um die Menschen ist wichtiger als die um die Panzer, die nicht funktionieren.

LANDESSYNODE 2023: Evangelische Kirche äußert sich zum Ukrainekrieg: Das Recht auf Selbstverteidigung

www.ekagger.de | jth | Text: Hans-Georg Pflümer | Foto: Pinterest

Das Foto zeigt eine blaue Friedenstaube

Friedenstaube von Taizé