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GEISTLICHE NOTIZ 460 Kilometer. Von Arno Molter

Was macht der Leiter der Evangelischen TelefonSeelsorge Oberberg am Ewigkeitssonntag? Er ist unterwegs

Jedes Jahr zum Totensonntag fahren meine Frau und ich in unsere alte Heimat und stellen Grabgestecke auf drei Gräber unserer Angehörigen.

Es sind dann an einem Tag 460 Kilometer, die wir abreißen, um an dieser Tradition festzuhalten. Auch dieses Jahr steht das wieder an und bei allem Energiesparen und Umweltschonen haben wir uns bisher nie gefragt: Lohnt sich das, ist das so noch in Ordnung? Für uns ist es wichtig, an diesem Sonntag die Gräber zu besuchen, einmal inne zu halten und an die Verstorbenen zu denken.

Wir kommen schon noch zwei oder dreimal im Jahr in die alte Heimat und besuchen Verwandte und Freunde, dann sind wir auch immer auf den Friedhöfen und besuchen die Gräber, aber für den Totensonntag (Ewigkeitssonntag) ist der Friedhofsbesuch das Ziel. Wir besuchen nebenher Freunde, aber das steht an diesem Tag im Hintergrund. Bei den anderen Besuchen der alten Heimat ist das eben anders.

Wir genügen einer Tradition, die in unseren kleinen Heimatdörfern im Hunsrück für Gesprächsstoff sorgt: Hat man kein Grabgesteck aufgestellt, wird nachgefragt, was mit den Molters ist – sind die dieses Jahr nicht da? Haben die kein Interesse mehr an ihren Angehörigen, haben die jetzt die alte Heimat vergessen?

So stehen wir unter einem gewissen Druck, unsere Pflicht zu erfüllen und doch ist das weniger eine Pflichtveranstaltung als eine uns wichtige „Sache“. Dieser eine Tag im Jahr, der traditionell dem Totengedenken gewidmet ist, ist für uns ähnlich wichtig geworden wie jeder andere kirchliche Feiertag mit seiner jeweils besonderen Bedeutung.

„Ein jegliches hat seine Zeit ….geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit…. weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit …. klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit“ (aus Prediger 3) – ja, so ist es, der Besuch der Gräber hat seine Zeit und 460 Kilometer mit dem Auto haben ebenso ihre Zeit.

Bei aller Umweltverschmutzung und Energieverschwendung - diese jährliche Totensonntagsfahrt steht für uns deutlich im Kalender. Es lohnt sich.

Alleine schon uns die Zeit zu nehmen und uns zu gönnen, lohnt sich.

Diakon Arno Molter ist Leiter der Evangelischen TelefonSeelsorge Oberberg, eine diakonische Einrichtung des Kirchenkreises An der Agger

telefonseelsorge-oberberg.de

Fragen und Anregungen bitte an andacht.anderagger@ekir.de

 

Online-Gedenken am Ewigkeitssonntag

Evangelische Kirche im Rheinland: Am Ewigkeitssonntag, 18 Uhr, online der Verstorbenen gedenken über das Portal Trauernetz.de

www.ekagger.de | jth | Text: Arno Molter | Foto: Kirchenkreis An der Agger/Judith Thies 

Diakon und Leiter der Evangelischen TelefonSeelsorge Oberberg: Arno Molter