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ÖKUMENE VEM und Weltkirchenrat: Die Treffen sind die Botschaft

In Wuppertal trafen sich Vertreter der weltweiten Ökumene wenige Tage vor der Versammlung des Weltkirchenrats in Karlsruhe. 3000 Christen aus 120 Ländern kamen dort zu einem Zukunftslabor der Ökumene zusammen. Dr. Robinson Butarbar, Ephorus der indonesischen HKBP-Kirche, war in Wuppertal und Karlsruhe auch dabei. Pfarrer i.R. Walter Pollmann referiert zum Thema Ökumene am 23. und 25.9. in Windeck-Öttershaben und  in Engelskirchen

Als der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) 1948 gegründet wurde, warf der Ost-West-Konflikt schon seine Schatten auf Europa und die Welt. Fast 75 Jahre später muss sich der Weltkirchenrat, wie der ÖRK auch genannt wird, mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Corona-Pandemie, dem Klimawandel und der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich auseinandersetzen. All das waren Themen, über die auf der am 8. September zu Ende gegangenen 11. Vollversammlung des ÖRK neun Tage lang heftig diskutiert und gestritten wurde. Unter den Abgeordneten waren auch Vertreter der rheinischen Landeskirche und Partner des Kirchenkreises An der Agger aus der weltweiten Ökumene.

Die ÖRK-Vollversammlung ist ein Forum, auf dem Menschen aus aller Welt die zum Teil existenziellen Krisen ihren jeweiligen Regionen zur Sprache bringen können. Nicht immer gibt es dafür Lösungen - etwa beim Nahost-Konflikt oder dem Ukraine-Krieg. Daher ist das Treffen selbst die Botschaft. Dem 1948 gegründeten Weltkirchenrat gehören zahlreiche Kirchen, Denominationen und kirchliche Gemeinschaften in mehr als 120 Ländern und Gebieten weltweit an, die wiederum mehr als 580 Millionen Christinnen und Christen vertreten.

Klimakrise, Ukraine-Krieg, Nahost

Die Mitglieder des ÖRK kommen heute vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum. Diese erhoben zum Klimawandel ihre Stimme, denn besonders indigene Völker sind mit den direkten Folgen des Klimawandels konfrontiert. Dies werde bislang bei der Bekämpfung der Erderwärmung zu wenig berücksichtigt, hieß es. Der Ökumenische Rat der Kirchen dringt zudem auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Streitpunkt war die Teilnahme einer Delegation der russischen-orthodoxen Kirche auf dem Karlsruher Kirchenkongress, die immerhin die größte der 352 Mitgliedskirchen des Weltkirchenrates stellt: Vor der Vollversammlung wurde immer wieder deren Ausschluss gefordert.

Der ÖRK plädiert hier für Dialog, dennoch kam es zum Schlagabtausch. Der ukrainische Erzbischof Jewstratij prangerte eine jahrhundertelange Unterdrückung seines Landes durch Russland an. Der aktuelle Angriffskrieg füge sich nahtlos in die imperialistische russische Geschichte zur Unterwerfung der Ukraine ein, sagte Jewstratij auf einem Hauptpodium.

Die russisch-orthodoxe Kirche wiederum wies Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Auftakt des Welt-Ökumene-Gipfels mit Empörung zurück. Steinmeiers Anschuldigungen seien völlig unbegründet, erklärte der russisch-orthodoxe Delegationsleiter, Metropolit Antonius, in einer offiziellen Stellungnahme. Zum Auftakt der Vollversammlung hatte der Bundespräsident die russisch-orthodoxe Kirchenleitung in ungewöhnlich scharfer Form verurteilt. Deren Leitung führe ihre Gläubigen auf einen „glaubensfeindlichen und blasphemischen Irrweg“.

Stark umstritten war das Thema Israel-Palästina-Konflikt. Ein zuvor befürchteter Eklat blieb aus. Kritiker hatten befürchtet, der Weltkirchenrat würde Israel zum Apartheid-Staat erklären. In einem zum Abschluss verabschiedeten Statement findet man einen Kompromiss: „In jüngster Zeit haben zahlreiche internationale, israelische und palästinensische Menschenrechtsorganisationen und juristische Gremien Studien und Berichte veröffentlicht, in denen die Politik und die Handlungen Israels als 'Apartheid' im Sinne des Völkerrechts beschrieben werden.“

Begriff sei „wenig hilfreich“

Während einige Kirchen und Delegierte nachdrücklich die Verwendung dieses Begriffs unterstützten, da er die „Realität der Menschen in Palästina/Israel und die völkerrechtliche Lage zutreffend beschreibt“, hielten ihn andere für „unangemessen, wenig hilfreich und schmerzhaft“, so das Statement. Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hatte in der Diskussion in einem leidenschaftlichen Appell davor gewarnt, von Israel als einem Apartheidstaat zu sprechen.

Neuer ökumenischer Ernst 

Die EKD-Auslandsbischöfin zog auch ein positives Fazit der ökumenischen Begegnung: „Wir haben ein großartiges internationales Fest des Glaubens in Karlsruhe gefeiert. Mit anrührenden Begegnungen und inspirierenden Gottesdiensten und Gebetszeiten.“ Es habe eine neue Leidenschaft für das ökumenische Netzwerk der Kirchen weltweit gegeben. Vielleicht verdanke sich dieser neue ökumenische Ernst der klaren Erkenntnis vieler Kirchen, „dass wir den globalen Krisen wie der Klimakrise, Rassismus oder der eskalierenden privaten und öffentlichen Gewalt an so vielen Orten nur gemeinsam begegnen können“.

Bericht über Reisen nach Medan Aceh am 23. und 25.9.

Pfarrer i.R. Walter Pollmann, Synodalbeauftragter des Kirchenkreises An der Agger für die Partnerschaft mit dem indonesischen Kirchenkreis Medan Aceh, hat sich zusammen mit Irmtraud Schild, Synodalbeauftragte für die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Dairi, im Vorfeld des ÖRK-Treffens mit Dr. Robinson Butarbutar getroffen, dem Ephorus (Bischof) der indonesischen HKBP-Kirche. Walter Pollmann und Irmtraud Schild sind seit Jahrzehnten ehrenamtlich in der ökumenischen Partnerschaftsarbeit aktiv.

Die HKBP-Runde besteht aus Mitarbeitern aller Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland, die eine Partnerschaft mit einem Kirchenkreis der HKBP auf Sumatra in Indonesien haben oder mit einer Institution der HKBP-Kirche . Die Runde trifft sich regelmäßig im Haus der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal mit dem Ephorus der HKBP. 

Im Juli traf sich Walter Pollmann mit Ephorus Dr. Robinson Butarbutar auf Sumatra. Thema war unter anderem die Corona-Hilfsaktion des Kirchenkreises An der Agger für die Partnerkirchenkreise Medan Aceh und Dairi 2020/2021. 

Walter Pollmann lädt ein zu einem Bericht über die deutsch-indonesische Zusammenarbeit am 

Freitag 23. September, 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Öttershagen, An der alten Dorfschule 1, 51570 Windeck-Öttershagen sowie am 

Sonntag, 25. September, im Gemeindehaus in Engelskirchen, im Anschluss an den Gottesdienst (10 Uhr), gegen 11.30 Uhr

 

www.ekagger.de | jth | Text: Stephan Cezanne (epd) | Foto: Walter Pollmann 

Auf seinem Weg nach Karlsruhe traf sich Robinson Butarbutar bei der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal mit den Synodalbeauftragten des Kirchenkreises An der Agger für die Partnerschaft mit Indonesien, Irmtraud Schild und Walter Pollmann