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CHRISTLICH-JÜDISCHER DIALOG Wir brauchen die Demokratie und die Demokratie braucht uns

„Müssen wir wieder die Koffer packen?“ Zur Lage der Juden in Deutschland sprach Dr. Ludger Joseph Heid in der Gummersbacher Halle 32 

Nach dem Holocaust habe es immer geheißen, dass die Juden auf ihren gepackten Koffern sitzen würden, erklärte Heid den Gästen. Die sprichwörtlichen Koffer - schon lange ausgepackt und ausgeleert -  ständen bei vielen Juden in Deutschland noch auf dem Dachboden.

Spätestens nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle habe sich in der Bundesrepublik wieder ein alt-neuer Antisemitismus breitgemacht, der bei den Juden die Frage aufwerfe, ob die Koffer wieder gepackt werden müssten. „Judenhass ist ein Hass, der sich als Blutspur durch die Geschichte zieht“, sagte Heid.

Antisemitismus sei eine jahrhundertealte Konstante. Aber Judenhass sei deutlich mehr geworden, was auch an den Sozialen Medien liege. Rund 25 Prozent der deutschen Bevölkerung - also mehr Menschen als Juden auf der ganzen Welt - seien Antisemiten. Deutschland 2022 sei ein Land, in dem man besser weder Kippa, die traditionelle religiöse Kopfbedeckung jüdischer Männer, noch einen Davidstern an der Kette trage.  Heid fragte: „Wann ist der Zeitpunkt, ab dem Juden sich nichts mehr vormachen und der Punkt erreicht ist: bis hierher und nicht weiter?“ Antisemitismus sei nicht abstrakt, sondern blutige Realität – und das weltweit.

Demokratie muss stark sein 

Das Thema „Müssen wir wieder die Koffer packen?“ werde eigentlich überlagert von vielen anderen Themen, sagte Wolfgang Birkholz, Vorsitzender der Oberbergischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.  Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte gerade an diesem Tag mit einem Nazi-Vergleich in Bezug auf den Ukraine-Krieg in Israel für Empörung gesorgt. Empörend und nicht duldbar seien auch die Träger eines Judensterns bei Corona-Demonstrationen.

Je stärker die Demokratie in einem Land sei, umso sicherer sei die Existenz der Juden, betonte Heid und zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Wir brauchen die Demokratie, aber umso mehr braucht die Demokratie uns.“ Antisemitismus sei ein Angriff auf uns alle. Auf Werte, die wir uns mühsam in Jahrzehnten geschaffen haben. Das Problem des Antisemitismus sei noch lange nicht gelöst. 

Privat-Dozent Dr. Ludger Joseph Heid, Historiker, Literaturwissenschaftler, Publizist hat zahlreiche Publikationen zur deutsch-jüdischen Beziehungs- und Literaturgeschichte herausgegeben. Er schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, „DIE ZEIT“ und „Die Welt“.

Am 20. Juni findet wieder in der Halle 32 ein Vortrag von Dr. Ludger Joseph Heid zum Thema „Von Streisand zu Dylan“ über die Fülle jüdischer Musiker statt.

Veranstalter waren die Oberbergische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und das Katholische Bildungswerk Oberberg. 

www.ekagger.de | jth | Text: Vera Marzinski | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/V. Marzinski

Referent Ludger Joseph Heid, Pfarrerin Silke Molnár (Kirchengemeinde Oberbantenberg-Bielstein), Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (CJZ), Sándor Molnár, Mitglied der CJZ, und Wolfgang Birkholz, Vorsitzender der CJZ

Am 20. Juni hält Ludger Joseph Heid in der Halle 32 einen Vortrag über die Fülle jüdischer Musiker: „Von Streisand zu Dylan“