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GEISTLICHE NOTIZEN Willkommen

Woran könnten andere eine einladende Kirche erkennen? fragt Pfarrerin Alexandra Pook zum Jahreswechsel 

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“  So sagt Jesus im Johannesevangelium – die Jahreslosung für 2022.

Jesus klingt einladend. - Sind wir eine einladende Kirche?

Als ich noch recht neu war hier im Kirchenkreis, bekam ich eine Mail von einer Frau, die gern an einem Angebot aus dem Flyer „Spiritualität entdecken“ teilnehmen wollte. Sie schrieb, sie sei vor gut 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten und lebe in „wilder Patchworkehe“. Sie schilderte mir ihren persönlichen Hintergrund und fragte dann, ob sie denn damit überhaupt willkommen sei.

Wenn diese Frau an Kirche denkt, hat sie offenbar keine einladende Kirche vor Augen. Eher eine, die über andere urteilt, verurteilt und in der nicht jede Person willkommen ist.

Sicher gibt es so eine Kirche. In jedem Fall gab es sie vor nicht allzu langer Zeit. Viele haben sie noch erlebt. Vermutlich hat sich das inzwischen fast überall geändert. Aber ist das schon bei den Leuten angekommen?

Darum glaube ich, wir tun gut daran, anderen zu zeigen, dass wir eine einladende Kirche sind. Schließlich berufen wir uns auf Jesus: einem, der gern gemeinsam mit anderen am Tisch saß, auch mit denen, die eigentlich nicht dazugehörten.

Woran könnten andere eine einladende Kirche erkennen?

Menschen, die nur mal unverbindlich gucken wollen, sehen sich unsere Gemeindehomepages an. Manche durchblättern auch unsere Gemeindebriefe. Haben Sie Ihre Homepage und Ihren Gemeindebrief schon mal mit den Augen einer kirchendistanzierten Person gesehen? Bekommt sie die Informationen, die sie sucht? Hat sie einen sympathischen Eindruck von unseren Angeboten und den Menschen, die dahinterstehen? Oder fühlt sie sich bloß in ihren Vorurteilen bestätigt?

Ein Ort, in dem man an einen lebendigen Gott glauben kann 

Wie wirken unsere Räumlichkeiten? Einladend für die, die wir gern mehr ansprechen würden? Hat unser Gemeindehaus eine Ästhetik, in der sich Menschen wohlfühlen, die Plastikblumen und Häkeldeckchen mögen, aber sonst niemand so recht? Ist unser Kirchenraum ein Ort, an dem man an einen lebendigen Gott glauben kann, oder wirkt er angestaubt? Ist er eher ein musealer, ein toter Ort? Und wie wirkt darin unser Gottesdienst?

Haben die Menschen, die zu uns kommen, das Gefühl, dass sie wirklich willkommen sind mit dem, was sie einbringen? Auch mit den Fragen, die sie stellen? Auch Menschen aus ganz anderen Milieus? Singles? Dürfen sie mitgestalten? Finden sie bei uns Angebote, die ihnen guttun?

Das alles soll jetzt nicht belehrend klingen. Aber ich glaube, dass es sich lohnt, solche Fragen zu stellen. Vielleicht können uns auch Menschen von außerhalb, Kirchendistanzierte, ein Feedback geben. Weil wir selbst oft schon betriebsblind sind.

Dorfkneipe als (Kultur-)Zentrum der Dorfgemeinschaft 

Ich kenne übrigens eine wirklich einladende Gemeinde hier im Oberbergischen. Sie hat einladende Räumlichkeiten und sehr verschiedene Menschen wirken und gestalten in ihr mit. Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, privat, beruflich, politisch, religiös… Zugezogene und hier Aufgewachsene, Männer und Frauen. Gemeinsam feiern sie kreative Feste, stemmen große und kleinere Projekte, gestalten Angebote für ein gutes soziales Miteinander. Man geht offen aufeinander zu. Es gibt oft Treffen, bei denen wirklich alle willkommen sind. Jeder und jede darf mitreden, mitgestalten, Ideen einbringen.

Es ist die Dorfgemeinschaft Hülsenbusch. Sie hat ein einladendes „Gemeindehaus“: die genossenschaftlich geführte Dorfkneipe, eigentlich ein Kulturzentrum. Die Organisation und den Thekendienst übernehmen über 50 Ehrenamtliche; Einnahmen fließen zurück ins Dorf und in soziale Projekte. Ein Großprojekt war das 2020 fertiggestellte, genossenschaftlich finanzierte Ärztehaus. Ein Dauerprojekt ist der ehrenamtlich organisierte Wochenmarkt mit Kaffeetreff.

"Kirche & Kneipe"

In dieser Dorfgemeinschaft sind auch wir als Kirche willkommen mitzugestalten. Das ganze Jahr hindurch arbeiten wir an vielen Stellen und bei gemeinsamen Veranstaltungen, Festen und Kulturevents Hand in Hand. Manche Veranstaltungen beginnen in der Kirche und gehen in der Kneipe weiter. Beim Jazzfrühschoppen darf ich ganz selbstverständlich vorab auf der Bühne einen Gottesdienst feiern. Das neueste Projekt wird ein Café-Treff am Nachmittag in der Kneipe für die Senioren und alle, die gern andere Leute treffen, gemeinsam organisiert von Kirche & Kneipe.

www.dorf-huelsenbusch.de

www.milieus-kirche.de

Alexandra Pook ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hülsenbusch-Kotthausen

 

Ökumenischer Taizé-Gottesdienst am 2.1.2022

Licht leuchtet auf. Ökumenischer Taizé-Gottesdienst zum Neuen Jahr am Sonntag, 2.1.2022, 18.30 Uhr in der Katholischen Montfortkirche Marienheide (Einüben der Gesänge ab 18 Uhr). Veranstalter sind die Evangelische Kirchengemeinde Hülsenbusch-Kotthausen (www.ev-kirche-huelsenbusch-kotthausen.de), die Evangelische Kirchengemeinde Müllenbach-Marienheide (www.kirchemm.de), die Katholische Kirchengemeinde Marienheide (www.kath-kirche-marienheide) und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gummersbach-Windhagen (www.efg-gm.de)

Es gelten die Corona-2G-plus-Regeln (geimpft oder genesen und ein tagesgültiger zertifizierter Coronatest). 

Fragen oder Anregungen? 

Scheiben Sie an andacht.anderagger@ekir.de

www.ekagger.de | jth | Fotos: Ev. Kirchengemeinde Hülsenbusch-Kotthausen Archivfoto: Dorfgemeinschaft Hülsenbusch/Heike Brandt 

 

Die Dorfgemeinschaft Hülsenbusch in vergangenen Jahren beim Neujahrstreffen im evangelischen Gemeindehaus

In Gummersbach-Hülsenbusch steht die Kirche mitten im Dorf. Links daneben ist die Dorfkneipe - ein lebendiges Kulturzentrum

Lichterbäume als Adventskalender direkt vor der Kirche - umgesetzt mit Hilfe der Dorfgemeinschaft

Einladende Kirche zu sein, ist eine Frage der Aufmerksamkeit und der Neugier auf andere Menschen