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GEISTLICHE NOTIZ Gemeinde als Wasserstelle

Pfarrer Andreas Spierling, Skriba unseres Kirchenkreises, hat dem Pfarrkonvent eine Dialogszene aus dem Buch "Der evangelische Patient" vorgestellt. Ein weiterer Impuls für den Zukunftsprozess "Pfarrstellenkonzept 2030"

Zum Geburtstag habe ich das Buch „Der evangelische Patient. Die Kirche: eine Heilungsgeschichte“ von Klaus Douglass und Fabian Vogt geschenkt bekommen. Da wird Folgendes geschildert: Ein Pfarrer macht eine Studienreise nach Australien und fragt eine Kollegin: „Kriegt ihr hier auf der anderen Seite der Erde irgendwas von der Deutschen Kirche mit?“ Darauf antwortet die Kollegin mit einem Grinsen: „Mehr als euch lieb ist.“

„Was meinst Du damit?“ „Wir hier in Australien haben oft das Gefühl, dass ihr in Europa zu viel in Zäunen denkt.“ „Wie bitte?“ „Ja, man hat den Eindruck, bei vielen Verantwortlichen läuft durch den Kopf ein Zaun, der die Welt in zwei Gruppen teilt: diejenigen, die drin sind, und diejenigen, die draußen sind. Maßstab für alles ist die Institution Kirche. Und für eine erfolgreiche Gemeindearbeit gilt meist: Wir versuchen, so viele wie möglich von denen, die draußen sind, nach drinnen zu holen. Das meine ich mit Zaundenken und Innenorientierung.“

Das ist schon eine spannende und sicher auch zutreffende Beobachtung und Analyse. Aber – da steckt ja auch eine gehörige Portion Kritik drin. Was ist denn eine Alternative?

Die Pastorin aus Australien sagt wieder lächelnd: „Weißt du, bei uns im Outback gibt es Farmen, die sind so groß wie bei euch ganze Bundesländer. So lange Zäune kannst du gar nicht kaufen. Das bedeutet: Wenn du bei uns eine Herde zusammenhalten willst, dann baust du keinen Zaun – dann legst du eine Wasserstelle an. Und wenn die Tiere merken, dass dort ihr Durst gestillt wird, dann kommen sie von alleine immer wieder. So sollen auch unsere Gemeinden sein! Wie Wasserstellen!“

Das hat bei mir eingeschlagen. Wie viele Zäune bauen wir auf – wir wissen schon gar nicht mehr, wie abschreckend das ist!

Oder vielleicht doch, wenn wir selbst durch zu viele Vorgaben und Reglementierungen in die Enge getrieben werden.

Können wir Wasserstelle sein - das, wo Menschen ihren Durst nach Leben stillen können? Lassen wir alle ran an die Quelle des Lebens – ohne Taufschein, Kirchenzugehörigkeit? Wo das passiert, kommen Menschen gerne wieder und bringen andere mit.
 

Gemeinde als Wasserstelle – ich werde weiterhin darüber nachdenken.

 

Andreas Spierling, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bergneustadt

www.ev-kirche-bergneustadt.de

www.ekagger.de | jth | Foto: Kirchengemeinde Bergneustadt

Pfarrer Andreas Spierling schöpft Kraft aus der lebendigen Gemeinde in Bergneustadt. Schon bei seiner Andacht zur Sommersynode mit Präses Thorsten Latzel sagte er: Nur Mut!