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Andacht von Superintendent i.R. Horst Ostermann: Kommt her zu mir alle

Eine Andacht zum zweiten Sonntag nach Trinitatis von Horst Ostermann aus Waldbröl 

Der Wochenspruch für diese Woche  ist der Ruf des Heilands Jesus Christus. Er steht in der Bibel im Evangelium des Matthäus im 11. Kapitel und  lautet: “Kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid; ich will Euch erquicken“ und weiter  heißt es dort: “Nehmt auf Euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet Ihr Ruhe finden für Eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“

Ein Joch legt der Landwirt seinem Ochsen über den Nacken und bindet daran die Last, die das Tier ziehen soll.  Wollen wir uns eine Last auf die Schultern legen lassen?

Wenn wir uns daran erinnern, was mit Jesus geschah, klingt  uns  sein Versprechen “Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ wirklich einladend?

Sollten wir vielleicht doch eher weghören und uns wegducken?

Einer, der sich in der hinter uns liegenden Woche nicht mehr wegducken konnte und  wollte, war der Bischof der Erzdiözese München und Freising: der Kardinal Reinhard Marx.  In einem Brief an den Papst bat er diesen um seine Entlassung aus dem Amt des Erzbischofs und Kardinals  (Oberbergischer Anzeiger vom 6. Juni 2021).

„Im Kern geht es für mich darum“, schreibt er, „Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten.“

Die Kirche sei, so sein Eindruck, an einem toten Punkt angekommen.

Damit hat sich Kardinal Marx  das Joch, von dem Jesus spricht,  auf seine  Schultern laden lassen und die Last beschreibt er mit den Worten:  “Ich empfinde jedenfalls meine persönliche Schuld und Mitverantwortung daran auch durch Schweigen, Versäumnisse und starke Konzentration auf das Ansehen der Institution.“

Mit dieser Erkenntnis hat er die Einladung Jesu “Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ für sich gehört und sich als Christenmensch zu Jesus ans Kreuz gerettet.

Ich empfinde, dass er damit jedem einzelnen ganz persönlich, seiner römisch-katholischen Kirche, unserer evangelischen Kirche und darüber hinaus auch allen anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften - ja allen Menschen,  einen tiefen Dienst getan hat, indem er den Weg frei gemacht hat, als Kind Gottes  im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit der Stimme des  Gewissens zu folgen.

Nachwort

Überraschend hat der Papst Kardinal Marx umgehend geantwortet. Er wünscht, dass Reinhard Marx der Kardinal von München und Freising bleibt. Wie wird diese Entscheidung gedeutet werden und welche Folgen wird sie haben?

Darüber wird in den nächsten Wochen viel ganz Unterschiedliches zu lesen sein. Für mich ist die Entscheidung des Papstes auf jeden Fall auch Ausdruck seiner Achtung vor der Gewissensentscheidung eines Kindes Gottes im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit. Dass sie zum Segen wird, dafür bete ich.

Amen. 

Ihr Horst Ostermann 

 

Einladung zum Dialog

Horst Ostermann war bis Januar 2001 acht Jahre lang Superintendent des Kirchenkreises An der Agger und wohnt in Waldbröl.

Er freut sich über Fragen und Anmerkungen zu seiner Andacht. Seine Telefonnummer ist 02291-6142. Die E-Mail Adresse lautet horstostermannyahoode 

 

www.ekagger.de | jth | Foto: Heike Ostermann 

Pfarrer i.R. Horst Ostermann war bis 2001 Superintendent des Kirchenkreises An der Agger. Sein Herz schlägt nach wie vor für die weltweite Ökumene und besonders die Klinische Seelsorgeausbildung in Indonesien.