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Wo liegt eigentlich Ninive? Ein Märchen aus uralter Zeit

Unsere Geschichte spielt zu der Zeit, als Gott sich noch dafür interessierte, wie sich die Menschen aufführen. Eine Andacht von Schulpfarrer Hans-Georg Pflümer

Es war einmal in einem fernen Land. Und Gott schickte sein Wort zu Jona: „Geh nach Ninive und predige! Sag den Menschen, dass ihre Bosheit zum Himmel stinkt.“

Jona aber wollte fliehen. „Was geht mich das Treiben in diesem Kaff an?“ Jona wollte nach Tarsis und kam bis Jafo. Dort fand er ein Schiff, das ihn nach Tarsis bringen sollte, so weit weg von seinem Gott wie gerade nur möglich. Auf See erhob sich dann ein großes Unwetter und das Schiff drohte zu zerbrechen. Man fing an zu beten; ein jeder zu seinem Gott. Und sie warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Jona aber war runter in das Schiff gestiegen. Er  lag da und schlief.

Da trat zu ihm der Reeder: „Was schläfst du? Steh auf, rufe auch du deinen Gott an! Vielleicht wird der helfen, dass wir nicht verderben.“

Die anderen dachten: „Es muss ja einen Grund geben, warum es uns so übel geht. Und es traf Jona. Sie sagten zu ihm: „He Du! Du weißt doch, warum wir gleich sinken. Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Land, von welchem Volk“?

Jona antwortete: „Ich bin Hebräer. Ich fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.“

Da bekamen sie es mit der Angst zu tun und sagten zu ihm: „Was hast du verbrochen?“ Und sie ahnten, dass Jona auf der Flucht war.

Sie sagten zu ihm: „Das Meer wird immer wilder. Was sollen wir tun?“

Und Jona antwortet: „Wenn es sein muss, nehmt mich und werft mich ins Meer. Ich weiß, dass ich schuld daran bin.“

Und die Leute ruderten immer noch und sie hofften immer noch, dass sie das Land heil erreichen. Aber das Meer wird noch wilder. Und aus purer Verzweiflung warfen sie Jona ins Meer.

Augenblicklich wurde das Meer still.

Einen trifft’s immer. Und meistens den falschen. Aber Jona überlebt. Wie durch ein Wunder. Als er irgendwann wieder gesehen wurde, raunten die Leute: „Der wurde vom Fisch gefressen und wieder ausgespuckt.“ Oder: „Das ist doch der, den der Fisch wieder ausgespuckt hat.“ Oder: „Den hat ja nicht einmal der Fisch bei sich gelassen.“

Und Jona, der nun den Spitznamen „der mit dem Fisch“ trug, witterte eine Chance: „Soll ich die Geschichte an die Ninive-Post verkaufen? Einen Podcast machen?"

Mit der Geschichte hätte er viel Geld machen können. Aber Jona besinnt sich. Er hat einen Job: Er geht nach Ninive und sagt dort allen, die es hören wollen und auch denen, die es nicht hören wollen:

  • „Man bereichert sich nicht an Masken!“
  • „Man schummelt nicht mit Coronatests.“
  • „Man nutzt die Not der anderen nicht aus.“
  • „Man ist nicht gierig.“

Und am nächsten Tag stand er wieder da:

  • Man gefährdet das Leben von Geflüchteten nicht.
  • Man beurteilt keine Menschen nach ihrer Hautfarbe.
  • Man macht Juden nicht für das Unheil der Welt verantwortlich.

Und die Worte des Jonas kennt man noch nach vielen Jahrhunderten. Und wenn sie nicht verhallt sind, so brauchen wir sie noch immer.

Und die Geschichte brauchen wir auch: „Es war einmal in einem fernen Land. Und Gott schickte sein Wort zu Jona: „Geh nach Ninive und predige! Sag den Menschen, dass ihre Bosheit zum Himmel stinkt.“

Und wenn dich dein Kind fragt: Wo ist eigentlich Ninive? Dann sag ihm: Hier. Und dort. Und überall.

Ihr Pfarrer Hans-Georg Pflümer

 

Ihre Fragen und Anregungen zur Andacht 

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www.ekagger.de | jth | Foto: pixabay

Der Fisch - der Leviathan - trägt Jona an Land in die rettende Stadt.