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Gestalteten den diesjährigen Oberbergischen Landwirtschaftsgottesdienst: Pfarrer Heiner Karnstein, Schulpfarrer Matthias Weichert, Landwirtin Beate Klein und Pfarrer Edgar Born von der Studienakademie in Villigst.

Edgar Born predigte in der 800 Jahre alten evangelischen Kirche in Morsbach-Holpe. Er warb dafür, die kleineren Strukturen zu stärken, Nachbarschaften zu pflegen und sich im Dorf zu helfen.

An den Fürbitten beteiligten sich neben Beate Klein, Pfarrer Heiner Karnstein und Pfarrer Matthias Weichert auch Presbyter Heinz-Jürgen Steinhauer und Manfred Fischer, synodaler Umweltbeauftrager des Kirchenkreises An der Agger.

Mit Kanzelredner Pfarrer Edgar Born war den Veranstaltern des 8. Oberbergischen Landwirtschaftsgottesdienstes in Morsbach-Holpe ein Glücksgriff gelungen. "Aus dem Klagekarussel aussteigen und hin zur Beteiligungsbörse", war sein Rat angesichts der Strukturwandels im ländlichen Raum.

Kirchenkreis An der Agger/Morsbach. Der Strukturwandel im ländlichen Raum ist nicht aufzuhalten. "Wir werden älter, weniger und bunter", sagte Pfarrer Edgar Born, Sozialexperte und Studienleiter der Akademie Villigst sowie Aussiedlerbeauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen, in der gut besetzten Holper Dorfkirche beim Oberbergischen Landwirtschaftsgottesdienst. Älter und weniger wegen des demografischen Wandels und der Landflucht, bunter auch wegen der Zuwanderung.

Dieser Strukturwandel müsse aber nicht ohnmächtig hingenommen werden, er müsse im Gegenteil gestaltet werden. Die Entwicklung zum "älter, weniger, bunter" könne ihren Schrecken verlieren, sie könne auch eine Chance sein, sagte Born, wenn man die Veränderungen aktiv mitgestalte.

Er verwies auf eine Verbandsgemeinde in der Vulkaneifel: Dort haben die Menschen es geschafft, miteinander ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden für das gemeinsame Leben in einer immer strukturärmeren Landschaft. "Wir brauchen ein Aktionsprogramm regionaler Daseinsfürsorge", forderte Born. Kleine Genossenschaften können eine Lösung sein, regelmäßige Gesprächskreise, Workshops und andere Gemeinschaftsaktionen. Den Bauern komme dabei ein besondere Rolle zu: "Die Bauern prägen Dorf und Land, sie sind Träger der Hoffnung."

Ein Gemeinschaftsgefühl in einer aktiven kleinen Kommune können vielleicht dazu führen, dass ein Dorfladen entstehen kann oder dass ein Hofladen an eine Kirchengemeinde angebunden wird, dass es einen Wochenmarkt gibt und vielfältige andere Formen von echten sozialen Netzwerken. Seine Mutter habe im hohen Alter noch zu Hause leben können, weil sich Nachbar gekümmert haben, sagte Born. Ziel soll die Haltung sein: "Wir geben aufeinander acht und sorgen füreinander."

"Sie säen mit ihrem Tun Hoffnung"

"Als Bauern erleben Sie, wie stark die Schöpfung ist und wie verletzlich", sagte Born den geladenen Landwirten aus dem Oberbergischen. Ob Biohof, Nebenerwerb oder hauptberuflich: "Sie säen mit ihrem Tun Hoffnung." Dieses Tun müsse auch gerecht entlohnt werden, damit Landwirte auch gut von ihrer verantwortungsvollen Aufgabe, die Nahrungssicherheit aufrechtzuerhalten, leben könnten.

Viele Landwirte hätten in den vergangenen Jahren aufgegeben, weil sie nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Pfarrer Born spendete Trost und betonte: "Habt keine Angst, fürchtet Euch nicht." Zu einer gerechten Entlohnung und einer geänderten Politik gehöre eine vernünftige Infrastruktur mit medizinischer Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, aber auch Stätten kulturellen Tuns und die Unterstützung der Digitalisierung: "Es kann nicht sein, dass man in Holpe keinen Handyempfang hat."

Das Dorfleben hat sich auch in Holpe stark verändert, berichtete der dort tätige Pfarrer Heiner Karnstein. "In den letzten fünf Jahren hat es Veränderungen gegeben, die wir nicht für möglich gehalten haben." Viele alteingesessene Geschäfte hätten geschlossen. Hoffnung gebe der Wochenmarkt, der ehrenamtlich vom Heimatverein veranstaltet werde - ein Konzept, das sich auch die Gemeinde Hülsenbusch in Gummersbach abgeguckt hat. Zur Gegenbewegung gegen Schließungen gehört auch das neue Gemeindehaus der Kirchengemeinde.

Dorthin, ins helle einladende Gemeindehaus, kam die Gottesdienstgemeinde, darunter auch der Morsbacher Bürgermeister Jörg Bukowski, noch zu einem Imbiss und vielen Gesprächen zusammen. Beate Klein, Mitinitiatorin des Landwirtschaftgottesdienstes des Kirchenkreises An der Agger, sagte: "Die Predigt und der Gottesdienst haben so gut getan." Sie selbst betreibt mit ihrer Familien einen Biohof in Reichshof-Zimmerseifen und weiß, dass Landwirte vielfältige Unterstützung und Aufmerksamkeit brauchen.

 

www.ekagger.de| jth | Text: Judith Thies | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/J.Thies