Unsere Gemeinden
Mediothek
Neuer Service:
Wissen welche Medien im Kirchenkreis verfügbar sind, abfragen, ob sie gerade ausgeliehen sind und vorbestellen. Das ist der neue Service, den Sie durch das Schulreferat ab sofort erhalten.
Werden Sie Mitglied, erhalten Sie einen Leserausweis und schon können Sie für kirchliche Zwecke und Unterrichtsvorbereitung Medien ausleihen.
Öffnungszeiten:
Montag - Donnertag
11.00 - 14.00 Uhr
Ökumenische Notfallseelsorge
Wenn in den Medien von tödlichen Unfällen und Katastrophen berichtet wird, ist immer häufiger von Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern die Rede, die sich um Angehörige und Betroffene des Unglücks kümmern.
Im Oberbergischen hat der Evangelische Kirchenkreis An der Agger gemeinsam mit dem Katholischen Kreisdekanat Oberberg 2002 ein solches Notfallseelsorgesystem ins Leben gerufen, das die schnelle Verfügbarkeit eines Seelsorgers bei besonderen Krisensituationen rund um die Uhr gewährleistet. So haben sich 45 katholische und evangelische Pfarrerinnen, Pfarrer, Diakone und Prädikanten im Gebiet zwischen Radevormwald und Morsbach speziell schulen lassen, um an einigen Wochen im Jahr die Rufbereitschaft in einem der acht Bezirke zu übernehmen und im jeweiligen Zeitraum über ein spezielles Handy Tag und Nacht erreichbar zu sein.
Erste Hilfe für die Seele
Notfallseelsorger werden immer dann gerufen, wenn die Einsatzkräfte (Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei) den Eindruck haben, dass den von einer extremen Situation betroffenen Menschen eine Unterstützung guttun würde und sie diese auch selbst wünschen. Dabei steht die Notfallseelsorge grundsätzlich allen Menschen – unabhängig von ihrer Konfession – zur Verfügung.
Die Alarmierung der Notfallseelsorge erfolgt ausschließlich durch die Rettungsleitstelle oder die Leitstelle der Polizei, bei denen die Nummern der entsprechenden Mobiltelefone hinterlegt sind. Bei einem großen Teil der jährlich rund 80 Einsätze geht es dabei um die Betreuung von Angehörigen nach einem plötzlichen Todesfall, etwa nach einem tödlichen Herzinfarkt, einem Verkehrsunfall oder Suizid. Dazu kommen immer wieder die Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten und auch die Seelsorge an Einsatzkräften nach besonders belastenden Erfahrungen.
Zu den wichtigen Erfahrungen bei diesem Dienst gehört die Erkenntnis, dass es in solchen Extremsituationen kein vorher erlernbares „richtiges“ Verhalten gibt, sondern dass es darauf ankommt, in jeder Situation neu ein Gespür dafür zu entwickeln, was das jeweilige Gegenüber in diesem Moment gerade braucht. Denn die Reaktionen der Betroffenen in solch einer Krisensituation sind oft sehr unterschiedlich und können von hemmungslosem Weinen und einem Nicht-wahrhaben-Wollen über aggressives Verhalten bis hin zu Rückzug und „Versteinerung“ reichen.

- Zu den Aufgaben des Notfallseelsorgers gehört auch die Begleitung der Polizei beim Überbringen von Todesnachrichten. Foto: Frank-Michael Rommert
In der Reaktion darauf sind es oft weniger die Worte, die eine Rolle spielen, als vielmehr das ganz bewusste „Da-Sein“ des Seelsorgers und das gemeinsame Aushalten der eigentlich unerträglichen Situation. Manchmal kann es auch wichtig sein, in der oftmals ungeordneten und chaotischen Lage einen Raum zu schaffen, in dem die Angehörigen in Ruhe von ihrem Verstorbenen Abschied nehmen können, und mit einem Psalm oder einem freien Gebet die Sprach- und Hilflosigkeit in Worte zu fassen.
Notfallseelsorger sind gerade in solchen Momenten darauf angewisen, in der scheinbaren Gottesferne auf die verborgene Gegenwart Gottes zu vertrauen. Dabei hilft der innere Blick auf das Kreuz als den Ort, an dem Gott mit seiner Liebe selbst in die tiefsten Dunkelheiten hineingeht und mitleidet.
Natürlich nimmt jeder, der in der Notfallseelsorge arbeitet, immer wieder auch belastende Bilder und Erlebnisse nach einem Einsatz mit nach Hause. Oft bleiben besonders stark die Einsätze in der eigenen Seele haften, in denen Kinder direkt oder indirekt betroffen sind.
Von daher kommt bei der Arbeit in der Notfallseelsorge auch der eigenen „Seelenhygiene“ und der Verarbeitung des Erlebten eine große Bedeutung zu. Diese Verarbeitung kann etwa durch eigene Zeiten der Stille und des Gebets, durch kollegiale Supervision oder das Aufschreiben der Erfahrungen in einem Protokollbericht geschehen.
In der Notfallseelsorge wird deutlich, wie viel Kompetenz auch die eher distanzierten Menschen „der Kirche“ im Umgang mit Tod und Leiden zutrauen. Es ist gut, dass sich die Kirchen dieser gesellschaftlichen Herausforderung mit der Schaffung einer deutschlandweiten Notfallseelsorge gestellt haben.
Pastor Henning Strunk, Ev. Koordinator der Notfallseelsorge Oberberg
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.notfallseelsorge-rheinland.de
www.notfallseelsorge.de






