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Mit Glauben, Phantasie und Mitgefühl haben Monika und Michael Höhn das Ometepe-Nicaragua-Projekt...
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Gespräch mit den Religionen
Begegnung und Gespräch mit Juden gestalten sich schwierig, sind sie doch nur noch, wenn überhaupt, als Gäste im Oberbergischen.
In den Moscheen im Bereich des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger gibt es eine große, aber oft enttäuschte Bereitschaft, der christlichen und westlichen Welt zu begegnen.
Christlich-Jüdisches Gespräch
Der Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland von 1980 hat für die Begegnung zwischen Christen und Juden, vor allem für die Erneuerung des Verhältnisses beider, wegweisende Thesen formuliert. In diesem Beschluss bekennt sich die Rheinische Kirche „zu christlicher Mitverantwortung und Schuld an der Shoah. Sie weiß um die bleibende Erwählung Israels. Sie versteht die fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes, seine Heimkehr in das Land der Verheißung und die Gründung des Staates Israel als Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Sie glaubt, dass Jesus Christus, der Jude, die Völker der Welt mit dem Volk Gottes verbindet. Juden und Christen müssten in ihrer jeweiligen Berufung Zeugen Gottes vor der Welt und voreinander sein.“
In der Evangelischen Kirche Denklingen steht als Reaktion auf diesen Beschluss ein großer Chanukka-Leuchter – als Zeichen der Verbundenheit mit Israel und als Mahnmal gegen das Vergessen. Auf dem Leuchter ist die Präambel des Synodalbeschlusses eingraviert.
Der Synodalbeschluss hat bei manchen Christinnen und Christen im Oberbergischen zu einem Umdenken und zu einer neuen Sensibilität im Umgang mit jüdischer Tradition und mit Menschen jüdischen Glaubens geführt. Im Oberbergischen hat es durch vereinzelte private Initiativen schon sehr früh Kontakte zu ehemaligen jüdischen Nachbarn gegeben, die die Shoah überlebt hatten. Sie erschienen unerlässlich, um das in den Jahren 1933 bis 1945 geschehene Ungeheuerliche in die eigene Biografie oder die erlebte oder erfahrbare Geschichte einzuordnen. Jedoch hat es bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts gedauert, ehe sich auch Gruppen oder gesellschaftliche und politische Einrichtungen der jüdisch-christlichen Frage annahmen.
Denn das Wissen und die Erkenntnis, dass die oberbergische Bevölkerung sehr deutlich den nationalsozialistischen Verführungen erlegen war, konnte nicht abgestreift werden wie ein ausgedientes Kleidungsstück. Schließlich hatten die Oberberger vor und während der nationalsozialistischen Zeit in sehr hohem Maße die NSDAP gewählt, in einzelnen Stimmbezirken sogar nahezu zu 100 Prozent.
Eine der führenden Persönlichkeiten des nationalsozialistischen Regimes war der aus Niederbreidenbach bei Nümbrecht stammende Robert Ley. Er wuchs in christlich-pietistischer Tradition des Oberbergischen auf. Als „Reichsorganisationsleiter“ verstand er es, in seine Reden politisch-kulturelle Wertvorstellungen in der Sprache des „positiven Christentums“ sowie seine religiösen Grundpositionen einzubinden. So erreichte er eine große Zustimmung bei der Bevölkerung. Eine nicht geringe Zahl evangelischer Pfarrer unterstützte ihn dabei. Ihnen lag die konservative Verbindung von Thron und Altar des Kaiserreichs näher als das politische System der Weimarer Republik. Sie kämpften gegen den Geist einer aufgeklärten Bibelkritik, gegen einen theologischen Rationalismus und gegen einen weltanschaulichen Liberalismus. Ihnen versprach Ley 1932 in einem Wiehler Pfarrhaus: „Wir wollen die groben Wacken und Klötze vom Acker des deutschen Volkes wegräumen, und ihr Pfarrer habt dann die Aufgabe, in die aufgelockerten Furchen den Samen Gottes zum Heil unseres Volkes zu streuen.“ (Zitiert nach Heinz-Wilhelm Brandenburger: „Ley-Land. Dr. Robert Ley und der Nationalsozialismus im Oberbergischen“, S. 42.) Wen wundert es, dass Robert Ley ihr Mann war und seine Partei ihre Partei wurde.

- Im Oberbergischen gibt es in unseren Tagen nur noch vereinzelt Spuren jüdischen Lebens. Am deutlichsten erinnert der jüdische Friedhof in Nümbrecht an die vergangene jüdische Existenz. Er bleibt ständige Mahnung. Foto: Frank-Michael Rommert
Im Oberbergischen Kreis leben heute kaum noch Menschen jüdischen Glaubens. Diejenigen, die hier sind, bleiben, wohl immer noch aus guten Gründen, anonym. In Nümbrecht hatte die einzige jüdische Gemeinde im Kreisgebiet mit zuletzt rund 35 Mitgliedern ihren Sitz. Die Zerstörung ihrer Synagoge im August 1938 beendete nach 200 Jahren die jüdische Gemeindeexistenz im Kreis. Die nächsten jüdischen Gemeinden befinden sich heute in den Großräumen Bonn, Köln, Wuppertal und Siegen.
Begegnung und Gespräch mit Juden gestalten sich schwierig, sind sie doch nur noch, wenn überhaupt, als Gäste im Oberbergischen. Aber gerade um das Gespräch mit Juden zu führen, das für Christen fundamental, für Deutsche identitätsunterstützend ist, haben sich vor einigen Jahrzehnten die Oberbergische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Freundeskreise Wiehl-Jokneam (Israel) und Nümbrecht-Megilot (Westjordanland) gegründet. Darum werden auch im Gebiet des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger von diesen Initiativen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität und Zielsetzung, die Entwicklungen und Fakten aus Theologie, Geschichte und Politik beobachtet, vor allem wenn sie den jüdisch-christlichen Dialog betreffen. Sie werden in den Zusammenhang des von der Gesellschaft und den Freundeskreisen selbst gewählten Arbeitsauftrages gestellt und in Veranstaltungen bedacht. Themen zum aktuellen Zeitgeschehen im Verhältnis der Staaten Deutschland und Israel, Israel und Palästina, dem Leben von Juden in Deutschland finden in Studientagen, Vortragsveranstaltungen und Begegnungen Eingang in die Jahresprogramme der Gesellschaft und der Freundeskreise.
In einem Austauschprogramm suchen die Freundeskreise Wiehl-Jokneam und Nümbrecht-Megilot die persönliche Begegnung und, wie der Name sagt, Freundschaft. Dies alles geschieht häufig mit Kooperationspartnern aus Kultur, Politik und Wirtschaft der Region.
Eine der wichtigsten Jahresveranstaltungen der Gesellschaft und der Freundeskreise findet am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, an der Gedenkstätte des jüdischen Friedhofs in Nümbrecht statt. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung, die in den letzten Jahren häufiger mit Schulklassen der ortsansässigen Schulen vorbereitet wurde, wird besonders der Nümbrechter Jüdinnen und Juden gedacht, die am 19. Juli 1942 zu ihrem letzten Weg gezwungen wurden, der in Minsk oder in Auschwitz endete. Der Kirchenkreis An der Agger begleitet diese Initiativen durch seinen Synodalbeauftragten für das Christlich-Jüdische Gespräch und durch die Unterstützung und aktive Teilnahme an der seit vielen Jahren stattfindenden „Begegnung der Religionen“.
Pfarrer Holger Banse, Vorsitzender der Oberbergischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V., Hamm
Christlich-Islamisches Gespräch
Das Christlich-Islamische Gespräch im Kirchenkreis An der Agger ist in die „Begegnung der Religionen“ eingebettet. Unter einem Jahresthema werden gemeinsam geplante Begegnungsmöglichkeiten und Informationsveranstaltungen angeboten, um Glaubens- und Lebenserfahrungen auszutauschen, Gemeinsames zu suchen und Fremdes respektieren zu lernen, alltägliche Erfahrungen und Feste zu teilen und zivilgesellschaftliche Strukturen für das Zusammenleben der Kulturen und Religionen zu fördern.
Dabei gehört es zu den Regeln, dass nicht über-, sondern nur miteinander gesprochen wird, sodass jüdische, christliche und islamische Glaubens- und Lebenserfahrungen nur von Angehörigen der jeweiligen Religion selbst dargestellt werden, die sich dann den auch kritischen Fragen der anderen stellen.
Getragen werden die Veranstaltungen vom Evangelischen Kirchenkreis An der Agger, dem Katholischen Bildungswerk, der Stadt Gummersbach, der Türkisch-Islamischen Union sowie bisher von der Oberbergischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und den Synagogen in Köln.

- Im Innenraum der Moschee in Bergneustadt sind gelbe Zettel angebracht. In deutscher Sprache geben sie Einblicke in die Nutzung des Raumes und in den islamischen Glauben. Foto: Frank-Michael Rommert
Auf gute Resonanz stießen dabei Veranstaltungen wie „Christinnen treffen Musliminnen – Musliminnen treffen Christinnen“. Auch Begegnungsfahrten für jüdische, christliche und muslimische Teilnehmer zum Besuch einer Synagoge, Kirche und Moschee, die die Gelegenheit bieten, einander im Gottesdienstraum, im Gespräch und beim Essen zu begegnen, fanden gutes Echo. Seit September 2001 gab es thematische Schwerpunkte wie „Heimat und Fremde“, „heilige Schriften“, „Kindheit und Jugend“, „Wirtschaft und Werte“, „Soziale Verantwortung“.
Die Chance dieser Begegnung der Religionen, die unter den Bedingungen der Globalisierung stattfindet, liegt darin, eine neue, persönliche und gesellschaftlich notwendige kulturelle Fähigkeit zu erlernen: nämlich die Fähigkeit, die eigene Identität mit dem Respekt vor anderen Identitäten zu vereinen und darüber auch sprechen zu können. Menschen und Gesellschaften, die diese Fähigkeiten nicht beherrschen, werden zu Opfern der Globalisierung. Die Gefahren für diese Begegnung liegen in den Ängsten, die die Globalisierung ausgelöst hat. So wie Menschen, die ihren ökonomischen Fähigkeiten nicht trauen, den Schutz nationaler Grenzen suchen, versuchen Menschen, die ihrem Glauben nicht trauen, Mauern um ihre Religion zu errichten.
Auch die Christinnen und Christen im Kirchenkreis An der Agger stehen unvorbereitet vor der Situation eines plötzlich ungeschützten Marktes, auf dem die Religionen konkurrieren. Als Mitglieder einer sich als aufgeklärt verstehenden Gesellschaft fällt es vielen beängstigend schwer, verständlich gegenüber jüdischer und islamischer Kritik zu artikulieren, wer Jesus Christus für sie ist. Und die weitverbreitete Verwechslung von Moral und Glaube, die sich theologisch in der Lehre vom „Freien Willen“ niederschlägt, ist mit der Angst verbunden, dass der freie Wille von den anderen manipuliert werden könnte. So entstehen Ängste und Aggressionen, die sich in Abgrenzungen und im Reden über andere ausdrücken.
Die Begegnung der Religionen hat daher auch die Aufgabe, die Christinnen und Christen an das Fundament ihres Glaubens, nämlich an die in Jesus Christus zur Gestalt gekommene Gnade Gottes, zu erinnern, um sie so auf dem globalen Markt der Religionen „konkurrenzfähig“ zu machen und zu einer menschenfreundlichen und gottgefälligen Kultur beizutragen.
Die Moscheen im Bereich des Evangelischen Kirchenkreises An der Agger gehören der Türkisch-Islamischen-Union (DITIB) an. Sie dienen als religiöse Zentren, aber teilweise auch als „Heimatverein“. Gäste sind willkommen und werden meist zu einer Tasse Tee eingeladen. Sie können die Moschee besichtigen. Frauen müssen dabei kein Kopftuch tragen. Gruppen sollten sich anmelden.
Pfarrer Allan Grave, Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch






