Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Freitag, 18. Mai 2012:
Losungstext:
Wer ist nun willig, heute eine Gabe für den HERRN zu spenden?
1.Chronik 29,5
Lehrtext:
Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
2.Korinther 9,7

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Freitag, 25. Mai: Gemeinsam gegen rechte Tendenzen - Wenn Konfirmation mehr als ein Ritus ist

Gut besuchte Podiumsdiskussion  zum Thema Rechtsradikale in Oberg und was man dagegen tun...

Mediothek

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Öffnungszeiten:
Montag - Donnertag
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Gehörlosenseelsorge


Internet: Gehörlosenseelsorge

Stimme der Stummen und Ohr der Tauben, Dolmetscher zu Gott und Dolmetscher zur Welt möchte ich, Gehörlosenseelsorger Hartmut Benz, sein – und für meine Geschwister Seelsorger in ihrer „Muttersprache“. Muttersprache, das ist für die gehörlosen Mitglieder der Gehörlosengemeinde die Deutsche Gebärdensprache (DGS) oder die lautsprachlich-begleitende Gebärden­sprache (LBG).

Mitte der Gemeindearbeit in der seit über 85 Jahren bestehenden Gehörlosengemeinde ist und bleibt der Gottesdienst. Er findet jeweils am zweiten Sonntag im Monat ab 14.30 Uhr in der evangelischen Kirche Dieringhausen statt. Mindestens dreißig Menschen nehmen regelmäßig teil. Sie kommen nicht nur aus der Region, sondern aus einem weiteren Umfeld: aus Leverkusen, Köln und Bergisch Gladbach, aus dem Siegener, Bonner und Wetzlarer Raum sowie aus dem Westerwald. Sie nehmen den Weg auf sich, weil sie sich hier von den Gebärden her gut verstanden fühlen und weil ihnen die christliche Gemeinschaft in unserer Gemeinde gut gefällt.

Blickkontakt ist nötig
Unser Veranstaltungsangebot ist vielfältig – wie in den hörenden Gemeinden auch. Wir leisten uns allerdings einige Besonderheiten: Wir nehmen uns etwa viel mehr Zeit für den Einzelnen, denn das ist nötig. Die Kommunikation in lautsprachlich-begleitender Gebärdensprache (LBG) und in der Deutschen Gebärden­sprache (DGS) soll nämlich ohne Missverständnisse vonstattengehen. Dies kann nur gelingen, wenn ich wirklich öfter nachfrage, ob ich alles richtig verstanden habe, und mich auch fragen lasse. Wir werden oft genug missverstanden oder missverstehen auch andere – das sollte in der Seelsorge nicht geschehen.

Gehörlose müssen ihrem Gesprächspartner ins Gesicht schauen: Ablesen von den Lippen ist für sie lebensnotwendig. Bei der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht erkennen wir, mit wem wir es zu tun haben. Authentizität, Lebendigkeit, Klarheit und Wahrheit sind für uns Tugenden, die wir gerne mit den Menschen verbinden, mit denen wir im Leben zu tun haben.

Die Predigt in Gebärdensprache wird durch Anspiele und Beamerprojek­tionen unterstützt. Foto: Frank-Michael Rommert


Zeithaben ist unerlässlich
Unsere Gottesdienste sind anders als die der Hörenden. Wir nehmen uns den ganzen Nachmittag Zeit füreinander. Eingeläutet wird der Nachmittag mit einem Gottesdienst in lautsprachlich-begleitender Gebärdensprache. Die Predigt sollte nicht zu lang sein, weil wir ja die Ohren nicht benutzen können, sondern nur Augen und Hände. Es ist anstrengend, genau auf alles zu achten und alles „abzusehen“. Außerdem locken im Anschluss an den Gottesdienst Kaffee und Kuchen, das Gespräch in der „Muttersprache“ und die Begegnung mit Menschen mit ähnlichem Handicap.

Im Gottesdienst gibt es Lieder in Gebärdensprache, und alle sind froh, wenn ein Dialog entsteht oder wenn man sich an einer Aktion, einem Spiel, einem Gebet oder anderen Gottesdienstelementen beteiligen kann.

Wenn Kinder da sind, gibt es im Anschluss an den Gottesdienst noch einen kleinen Kindergottesdienst. Das Kaffeetrinken wird eröffnet von der langjährigen Vorsitzenden Marlies Friese. Sie hält eine schöne Ansprache und begrüßt die ganze Gemeinde herzlich.

Überschaubarkeit muss sein
Es gibt viele Gemeindegruppen. Das erste Frauentreffen platzte bald aus den Nähten. So ein Frauentreff sollte nicht mehr als acht Teilnehmerinnen haben, denn sonst können die Frauen sich nicht mehr richtig unterhalten. So entstand ein zweites Frauentreffen. Vielleicht wird bald sogar ein drittes gegründet. Wir treffen uns nach Absprache.

Auch zwei Männerkreise gibt es. Hier gilt dasselbe wie für die Frauentreffen. Jugendarbeit gibt es in Form einer Bowling-Gruppe und in Form von Freizeitangeboten nach Wunsch und Absprache.

Ein Kreis für Eltern von gehör­losen Kindern und Jugendlichen besteht schon seit fast zwanzig Jahren. Sechs bis acht Treffen finden jeweils dort statt, wo die Teilnehmenden zu Hause sind. Fest auf dem Terminplan steht jedes Jahr eine gemeinsame Freizeit über die Tage von Christi Himmelfahrt.

Neu entstanden ist eine Eltern-Kind-Gruppe, die sich jeden Monat trifft. Hier sind meist gehörlose Eltern mit hörenden Kindern dabei. Wir spielen, basteln, bereden unsere Probleme und machen gemeinsame Ausflüge.

Wir setzen uns ein zum Wohle der Kinder und jungen Erwachsenen sowie zum Wohl der Eltern. Auch für die Gehörlosenschulen in Köln, Olpe und Dortmund und die Landeseltern­verbandsarbeit setzen sich einige unserer Mitglieder sehr ein.

Gebärdensprache ist erlernbar
Ein großer Arbeitszweig, mit dem wir versuchen, Brücken zwischen der Welt der Hörenden und der Welt der Gehörlosen zu bauen, sind seit neun Jahren die Gebärdenkurse DGS und LBG 1 bis 3. Rund 500 Menschen sind durch die Kurse gegangen, die von zwei gehöhrlosen Dozentinnen und dem Pfarrer erteilt werden. So wird die Gebärdensprache in Oberberg bekannter.

Pfarrer Benz gibt auch an Schulen Gebärdenkurse für Interessierte. Im Moment läuft eine Gebärdenkurs-AG am Moltke-Gymnasium in Gummersbach.

Beteiligung ist wichtig
Die Hausbesuche zum Geburtstag, Altenbesuche, Krankenbesuche, Besuche zu den Kasualien sowie Besuche anlässlich von Lebensfragen runden die Arbeit in der Gehörlosenseelsorge ab. Für die Gehörlosen sind wir in Notfällen rund um die Uhr erreichbar.

Mittlerweile ist es gelungen, einen festen Mitarbeiterstab zu bilden. So gibt es für jeden Arbeitszweig Mitarbeitende mit guten Gebärdensprachkenntnissen: Für die Kinderarbeit, die Elternarbeit, den Besuchsdienst, die Büroarbeit, die Gebärdenkurs­arbeit, die Freizeiten, die Jugend­arbeit, die Konfirmandenarbeit, in der Sozialarbeit und für die Öffentlichkeitsarbeit.
Wichtig ist auch unser Gemeinde­brief, die „Hoffnungsperle“, die bei Erscheinen stets reißenden Absatz findet. Denn Gehörlose sind auf verständliches schriftliches Material sehr angewiesen.

Persönlicher Kontakt ist unentbehrlich
Immer nah bei meinen gehörlosen Geschwistern zu sein, zu wissen, wo sie der Schuh drückt, mich mit zu freuen und das Leid mit auszuhalten, den Glauben ernst zu nehmen, meine Sprache so zu elementarisieren, dass sie auch die Sprache der Gemeindemitglieder ist, darin sehe ich als Gehörlosenseelsorger wichtige Aufgaben. Gottes Wort als Frohe Botschaft weiterzugeben und mit den Taten, die aus der Glaubensfreude erwachsen können, zu helfen und das Leben der Gemeindegeschwister zu unterstützen, dafür möchte ich mit meinem Leben und meiner Person einstehen.

„Unsere Tür steht allen offen!“, so pflegt Marlies Friese immer zu sagen. Ich möchte diese wunderbare Einladung weitergeben: Schauen Sie doch mal rein!

Pfarrer i.W. Hartmut Benz, Gehörlosenseelsorger